US-Finanzminister Scott Bessent will die Käufe von ausstehenden Staatsanleihen mit Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren «mindestens verdoppeln». Dieser Plan belastete den amerikanischen Dollar. Gleichzeitig stiegen die Kurse von Gold und dessen digitalem Pendant Bitcoin. Weil die Kaufkraft des Dollars schwindet, greifen Anleger zu Sachwerten. 

Der Gold-Spotpreis legte im August um rund 10 Prozent zu. Das ist der grösste monatliche Anstieg seit Januar. Daran änderte auch der Rücksetzer am vergangenen Freitag nichts. Fed-Chef Kevin Warsh hatte zuvor versprochen, die Inflation bekämpfen zu wollen.

«Die Anleger steigen wieder in den Gold-Trade ein. Das zeigt sich bei der Nachfrage nach ETFs wie auch am Derivatemarkt», sagte Aakash Doshi von State Street Investment Management. Er leitet dort die globale Strategie für Gold und Metalle. «Der Handel auf eine Währungsentwertung war aus meiner Sicht nie tot, sondern nur pausiert. Pünktlich zum September ist er wieder im Trend.»

Die Zuversicht der Investoren bezüglich Gold ist derzeit etwas verhaltener als zu Jahresbeginn. Damals hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, er sei wegen des Dollar-Rückgangs nicht besorgt. Das löste eine Goldrally aus. Händler kaufen derzeit in grossem Umfang Call-Spreads auf den ETF «SPDR Gold Shares» anstelle von einfachen Call-Optionen. Auch exotische Optionen sind beliebt. Beide Varianten sind günstigere Möglichkeiten, auf steigende Kurse zu wetten.

«Die Kursbewegung im August verläuft deutlich geordneter als die Preisausschläge und Derivativaktivitäten während des 'Volmageddon' im Edelmetallsektor im Januar», erklärt Doshi.

Die implizite Volatilität bei Goldoptionen ist gestiegen. Sie erreicht jedoch nicht das Niveau des ersten Quartals. Auch der Skew, also die Prämie für Optimisten-Wetten, fällt schmaler aus.

«Im Unterschied zum Jahresbeginn ist die Goldvolatilität vergleichsweise gering», sagt Neeraj Chaudhary. Er ist Bereichsleiter für Exotics und Flow bei Bank of America für EMEA sowie Co-Leiter des globalen Hybrid-Handels. Einige Investoren rechnen daher bei der nächsten Aufwärtsbewegung mit einer Begrenzung nach oben. Der Kurs dürfte sich in einer Spanne von 4900 bis 5300 US-Dollar bewegen.

Investoren nutzen zudem Dual-Digital-Optionen und andere exotische Produkte für ihre Wetten. Eine Bedingung bezüglich eines zweiten Vermögenswerts verbilligt dabei den Einsatz für die Goldwette.

Beliebt sind laut Chaudhary auch Kombinationen von Gold mit Währungspaaren. Anleger nutzen die Devisenkomponente, um die Optionskosten zu senken. «Einige Investoren handelten beispielsweise das Paar Gold/US-Dollar-Japanischer-Yen. Dabei lässt sich eine Korrelation nahe minus 20 Prozent kaufen, um auf ein Steigen von Gold und US-Dollar zu setzen», erklärt er.

«Wir sahen Anfragen für Produkte auf Gold und US-Dollar-Schweizer-Franken innerhalb definierter Korridore bis zum Laufzeitende», ergänzt Chaudhary. «Ebenfalls gefragt waren Triple-Binaries wie etwa auf Gold, Öl und Währungen. Das bietet Anlegern noch mehr Hebelwirkung auf die Auszahlung als das gewohnte 10- bis 20-Fache.»

Gold war nicht der einzige Sachwert mit Rückenwind durch den schwächeren US-Dollar. Auch der Bitcoin-Schub erhielt durch Eindeckungen von Leerverkäufen zusätzlichen Schwung.

Zwischen dem 19. und dem 21. August wurden gemäss Coinglass gegentrendige Bitcoin-Positionen im Wert von mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar aufgelöst. Dieser Short-Squeeze verstärkte den ursprünglichen makroökonomischen Anstieg zu einem deutlichen Ausbruch. Zudem floss wieder Geld in US-amerikanische Spot-Bitcoin-ETFs. Diese verzeichneten seit dem 19. August Zuflüsse von mehr als zwei Milliarden US-Dollar.

Offen bleibt eine Frage: Wird Bitcoin nun wie Gold als dauerhafte makroökonomische Absicherung behandelt? Oder handelte es sich hauptsächlich um eine Rally durch Positionierungen, verstärkt durch Hebelwirkung und Momentum? Nach Bereinigung der Short-Positionen setzen inzwischen Gewinnmitnahmen ein. Die nächste Phase der Kursbewegung hängt weniger von erzwungenen Käufen ab. Entscheidend ist, ob frische Nachfrage am Spotmarkt den Trend weiter trägt.

US-Notenbankchef Kevin Warsh versprach in Jackson Hole eine konsequente Inflationsbekämpfung. Das nährte Spekulationen auf Zinserhöhungen und nahm der Edelmetall-Rally gegen Ende der Woche etwas Schwung. Dennoch strömen Investoren weiterhin in Gold.

«Dual-Digital-Optionen auf Gold gehörten in den letzten Monaten zu den gefragtesten Produkten. Gold dient dabei meist als optimistische Komponente in anlageklassenübergreifenden Paaren», sagt Joseph Khouri. Er leitet die Strukturierung von Aktienderivaten für EMEA bei Bank of America. «Der Grund dafür ist einfach: Das Investment-Szenario für Gold hängt nicht von einem einzelnen makroökonomischen Ergebnis ab. Es gibt mehrere Szenarien, in denen der Goldpreis steigt.»

(Bloomberg/cash)