Trotz erheblicher Investitionen in künstliche Intelligenz hat die Technologie der amerikanischen Unternehmenswelt ausserhalb des Technologiesektors bislang «null Ertrag» gebracht. Das erklärte Torsten Slok, Chefökonom von Apollo Global Management.

«Der Umsatz je Beschäftigtem steigt bei den Magnificent 7, stagniert aber bei den S&P 493», schrieb Slok in einer am Samstag veröffentlichten Mitteilung. Das Gleiche gelte für die Gewinnmargen. Zugleich gebe es bislang keine Anzeichen dafür, dass KI das Produktivitätswachstum antreibt.

«Die breite amerikanische Unternehmenswelt fährt ihre Ausgaben zurück und beginnt, Token-Ausgaben nicht als Wachstumsquelle, sondern als Kostenstelle zu betrachten, die die Margen belastet», so Slok.

Mit Beginn der Berichtssaison verfolgen Investoren die KI-Ausgaben und die erwarteten Erfolge der Unternehmen bei der Erzielung einer Investitionsrendite genau. Meta eröffnete in der vergangenen Woche die Berichtssaison der Technologieunternehmen mit der Ankündigung, noch aggressiver auf KI setzen und seine Investitionspläne ausweiten zu wollen. Das sorgte für Nervosität, liess die Aktie fallen und trieb den Indikator für das Kreditrisiko des Unternehmens auf ein Rekordhoch.

Hinzu kommen weitere Sorgen, die in den vergangenen Wochen die allgemeine Stimmung belastet haben. Äusserungen von CoreWeave verstärkten die Bedenken darüber, in welchem Umfang der Ausbau der KI-Infrastruktur mit Schulden finanziert wird.

Die Börsengangspläne des australischen Rechenzentrumsunternehmens Firmus Grid scheiterten, nachdem US-Fondsmanager die Bewertung von 30 Milliarden Dollar abgelehnt hatten. Ein weiterer von Nvidia unterstützter Rechenzentrumsentwickler, Nscale, ist bei der Bewertung für seinen eigenen Börsengang auf Widerstand gestossen.

Das Marktforschungsunternehmen Gartner schätzte, dass bis 2030 KI-Infrastrukturausgaben von mehr als 3,5 Billionen Dollar von Wertminderungen bedroht sein könnten, falls die KI-Umsätze die Ausgaben nicht rechtfertigen.

Es herrscht breiter Optimismus, dass KI künftig ein bedeutender Markttreiber sein wird. Zugleich bleiben Fragen offen, ob und wann sich die enormen Ausgaben im Gewinn niederschlagen werden.

Laut Slok geben mit Risikokapital finanzierte Unternehmen zunehmend Geld für Token aus. Die breite amerikanische Unternehmenswelt brauche jedoch nicht das neueste Modell «und ist nicht bereit, dafür zu bezahlen».

«Solange agentische KI und Token-Ausgaben auf einen kleinen Teil der Wirtschaft beschränkt bleiben, werden die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen von KI sehr begrenzt sein», schrieb er.

KI verstehe Verantwortlichkeit, ethische Abwägungen und Vertrauen nicht, «die allesamt das Reputationsrisiko prägen und letztlich das Umsatzwachstum und die Gewinnmargen bestimmen», fügte Slok hinzu.

(Bloomberg/cash)

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