Der iPhone-Konzern wirft dem KI-Unternehmen vor, systematisch vertrauliche Informationen zu Design und Fertigungsprozessen gestohlen zu haben, um den eigenen Einstieg in das Hardware-Geschäft zu beschleunigen.
OpenAI wies die Vorwürfe zurück. Man habe kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen, teilte die Firma mit. Der Fokus liege auf der Entwicklung innovativer Technologien. Laut der bei einem kalifornischen Bundesgericht eingereichten Klage arbeiten inzwischen mehr als 400 frühere Apple-Beschäftigte für OpenAI. Apple erklärte in der Klageschrift, man habe OpenAI bereits im Februar wegen der Bedenken kontaktiert, jedoch keine Antwort erhalten.
Die beiden namentlich genannten Ex-Mitarbeiter sollen unter anderem interne Dateien heruntergeladen und Lieferantendaten entwendet haben. Bei einem von ihnen handelt es sich um Tang Yew Tan, den ehemaligen Vizepräsidenten für das Produktdesign von iPhone und Apple Watch, der nun als Hardware-Chef bei OpenAI arbeitet. Er soll Bewerber dazu ermutigt haben, für Vorstellungsgespräche bei OpenAI Bauteile von Apple mitzubringen. Zudem sollen OpenAI-Mitarbeiter einen Apple-Zulieferer unter der falschen Annahme, eine Erlaubnis zu besitzen, dazu gebracht haben, eine geheime Technik zur Metallveredelung anzuwenden.
Bei dem zweiten Beschuldigten handelt es sich um den ehemaligen leitenden Elektroingenieur Chang Liu. Ihm wird vorgeworfen, seinen Apple-Firmenlaptop nicht zurückgegeben und einen Fehler bei der Authentifizierung genutzt zu haben, um Dutzende vertrauliche Hardware-Dateien aus dem internen Netzwerk herunterzuladen.
Hintergrund des Streits ist der Versuch von OpenAI, sich ein zweites Standbein neben der Software aufzubauen. Die KI-Firma hatte im vergangenen Jahr für 6,5 Milliarden Dollar das Hardware-Start-up io Products gekauft. Dieses wurde vom ehemaligen Apple-Star-Designer Jony Ive gegründet, der in der Klage jedoch nicht namentlich genannt wird.
Analysten zufolge könnte das Unternehmen an einem eigenen KI-Gerät arbeiten, das in direkte Konkurrenz zum iPhone treten würde. Die juristische Auseinandersetzung eskaliert die Spannungen zwischen den beiden Technologiekonzernen, die eigentlich kooperieren: Apple hatte erst in diesem Jahr ChatGPT in sein Betriebssystem und den Sprachassistenten Siri integriert.
(Reuters)

