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Aromen- und Riechstoffhersteller - Givaudan: Wie geht es nach dem Rekordhoch weiter?

Die Aktie von Givaudan hat am Donnerstag dank einer Kaufempfehlung ein neues Allzeithoch erklommen. Die Firma aus Vernier muss nun einen Neukauf erfolgreich integrieren und die Marge über die nächsten Jahre verbessern.
30.08.2018 11:27
Von Pascal Züger
Ein Mitarbeiter von Givaudan testet Seifen.
Ein Mitarbeiter von Givaudan testet Seifen.
Bild: youtube

Glücklich kann sich schätzen, wer zur Jahrtausendwende bei Roche investiert war. Damals beschloss der Pharmariese eine Fokussierung auf den Gesundheitsbereich. Im Rahmen dieser Strategie wurde der starke Unternehmenszweig "Aromen und Duftstoffe" abgestossen und separat unter dem Namen "Givaudan" an die Börse gebracht.

Anleger erhielten je Roche-Aktie oder -Genussschein gratis eine Givaudan-Namenaktie. Ein wahrlich wertvolles Geschenk, welches Jahr für Jahr massiv an Wert zulegte: Nach dem ersten Handelstag am 8. Juni 2000 schloss die Aktie bei  510 Franken, diesen Donnerstag hat sich Givaudan auf ein neues Rekordhoch bei 2400 Franken gehievt. Rückenwind hat der Aktie im gestrigen Handel eine Kaufempfehlung von Morgan Stanley mit einem Kursziel bei 2600 Franken gegeben.

Kursentwicklung Givaudan-Aktie seit Börsengang. Quelle: SIX

Im laufenden Jahr legt Givaudan an der Börse bisher 7 Prozent zu, womit die Aktie zu den Top 4-Performern im SMI gehört. Givaudan konnte im ersten Halbjahr den organischen Umsatz um 5,6 Prozent steigern, was gemäss einer Analyse der Zürcher Kantonalbank (ZKB) einen "ausgezeichneten Wert" darstellt.

Schlüsselmärkte mit gutem Wachstum

Als besonders stark erwiesen sich die Märkte in Asien und Lateinamerika, die zuvor etwas strauchelten. Zweistellig war das Wachstum gemäss ZKB in den Schlüsselmärkten China, Indien und Brasilien. Für das laufende und das nächste Jahr rechnet Givaudan mit einem Anstieg der Rohstoffkosten von 5 bis 6 Prozent, welcher mit Preiserhöhungen kompensiert werden soll (siehe auch Artikel zum Investorentag vom Donnerstag ). Die letzten Quartale zeigen, dass teurere Rohstoffe Givaudans Gewinnmarge tatsächlich nicht viel anhaben können. 

Auf die Marge drücken jedoch ungewöhnlich hohe Investitionskosten. Givaudan investiert etwa in ein neues Research-Center in Kemptthal ZH oder für eine neue Aromafabrik in Indien. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte sich dies jedoch auszahlen.

Eine grosse Herausforderung dürfte die Integration der französischen Pflanzenverarbeiterin Naturex werden. Die Firma hat einige schwierige Jahre hinter sich und hinkt bezüglich Profitabilität Givaudan hinterher. Im Rahmen der Integration muss die Firma gewinnbringender gemacht werden. Das Givaudan dazu fähig ist, hat die sie in der Vergangenheit bewiesen: Die zu Beginn tiefe Gewinnmarge der 2016 erworbenen Spicetec konnte schnell verbessert werden.

Qualität zu einem hohen Preis

Givaudan ist jedoch gut aufgestellt und forciert unter anderem mit dem Kauf von Naturex natürliche Produkte mit dem Fokus auf lokale Kundschaft - das liegt im Trend. In den nächsten Jahren ist ein starkes Wachstum absehbar, vor allem in den Schwellenländern. Morgan Stanley hält ein Umsatzwachstum um jährlich 5 Prozent über die nächsten Jahre für realistisch.

Mit dem laufenden Effizienssteigerungsprogramm dürfte sich darüber hinaus ab nächstem Jahr die Gewinnmarge verbessern. Aber Qualität hat ihren Preis: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2018 bei 29 ist die Aktie nicht mehr günstig zu haben und die Dividendenrendite ist mit 2,4 Prozent nicht ausserordentlich hoch.

Wer neu einsteigen will, sollte etwas tiefere Kurse abwarten, da nach dem Allzeithoch Gewinnmitnahmen absehbar sind. Wer hingegen die Aktie damals von Roche geschenkt bekam, belässt den Valor weiterhin im Portfolio, da sich die Bergfahrt in den nächsten Jahren weiterhin fortsetzen könnte - oder zumindest kein Kurszerfall absehbar ist. Ausserdem soll man Geschenke ja auch nicht weitergeben.