Wenn das Parlament ab Mai mit der Festlegung neuer Kapitalanforderungen für die UBS beginnt, dürfte die Rolle der sogenannten ‌Additional-Tier-1-Anleihen (AT1) eine ⁠zentrale Rolle spielen. Während einige Parlamentarier mit den Papieren die Wettbewerbsfähigkeit der Grossbank stützen wollen, sehen andere in ihnen eine ⁠Gefahr für die Finanzstabilität. Nachfolgend die wichtigsten Punkte zu den AT1-Anleihen:

Was sind AT1-Anleihen?

AT1 ist eine Form von regulatorischem Kapital, das gemäss der Definition des Basler Ausschusses ‌für Bankenaufsicht unter dem qualitativ hochwertigsten harten Kernkapital (Common Equity Tier 1, CET1) rangiert. Während CET1-Kapital ‌Verluste sofort bei ihrem Eintreten auffängt, können AT1-Anleihen in einer Finanzkrise ​abgeschrieben oder in Eigenkapital umgewandelt werden. Banken geben AT1-Anleihen als hochverzinsliche, unbefristete Papiere aus, die sich an institutionelle Anleger richten. Die UBS hat ihrem jüngsten Geschäftsbericht zufolge AT1-Kapital im Umfang von rund 20 Milliarden Dollar in ihren Büchern.

Warum sind sie für die UBS-Regulierung wichtig?

Die Schweiz will nach dem Debakel um die Credit Suisse, die die UBS 2023 in einer staatlich orchestrierten Transaktion schluckte, ‌eine erneute Grossbanken-Krise verhindern. Die Hauptforderung der Regierung lautet, dass die Bank ihre ausländischen Tochtergesellschaften vollständig mit hartem Kernkapital (CET1) unterlegen muss. Dies würde nach Schätzung der Bank zusätzliches Kapital in dieser teuren Form von rund 20 Milliarden Dollar erfordern, was die UBS als ​überzogen ansieht.

Aus Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit der Bank haben vier Schweizer Parlamentsabgeordnete verschiedener Parteien einen Kompromiss ​vorgeschlagen. Demzufolge soll es der UBS erlaubt werden, stattdessen AT1-Kapital zur Deckung ​von bis zu 50 Prozent der Kapitalanforderung für ihre ausländischen Einheiten zu verwenden. Dies könnte es der UBS ermöglichen, mit ihrem derzeitigen Bestand an CET1 weiterzuarbeiten ‌und zusätzlich etwa 15 Milliarden Dollar an günstigeren AT1-Anleihen aufzunehmen. Die Bank bezeichnete die Idee in der Vergangenheit als «konstruktiver».

Wie sicher sind AT1-Anleihen in einer Krise?

AT1-Instrumente hätten bei der Restrukturierung der Credit Suisse eine entscheidende Rolle gespielt, schrieb UBS-Chef Sergio Ermotti im März. «Die ​Lehre aus ​den jüngsten Krisen besteht nicht darin, diese Instrumente abzuschaffen, sondern sicherzustellen, ⁠dass sie robust und konsistent mit internationalen Standards sind.»

Regierungsvertreter und Wissenschaftler sind ​jedoch skeptisch. AT1-Instrumente könnten CET1-Kapital ergänzen, ⁠seien aber kein gleichwertiger Ersatz, sagte Hans Gersbach, Wirtschaftsprofessor an der ETH Zürich. Der Hauptgrund sei, dass AT1-Kapital umgewandelt oder abgeschrieben werden ‌müsse, um Verluste aufzufangen. Dies sei mit Risiken verbunden. Greife die Finanzaufsicht ein, während die Kapitalisierung noch hoch ist, werde dies als offizielles Notsignal gewertet und destabilisiere die Bank. Liege dieser Auslösepunkt zu niedrig, sei ‌es möglicherweise zu spät, um die Bank zu retten, sagte Gersbach.

«Jede Umwandlung von AT1 in ​Eigenkapital in einer Krise ist wahrscheinlich der letzte Sargnagel für die Bank», sagte Aymo Brunetti, Wirtschaftsprofessor an der Universität Bern, der bereits frühere Schweizer Bankenregulierungen entworfen hat. «Wenn man AT1 ausreichend sichermachen will, kostet es am Ende genauso viel wie CET1.» 

(Reuters)