Der Ingolstädter Autobauer Audi kappt nach dem schwächsten ersten Halbjahr seit 2021 seine Prognose. Für das Gesamtjahr sagte die Volkswagen-Tochter am Montag nur noch Erlöse von 58 bis 63 Milliarden Euro voraus, das sind fünf Milliarden Euro weniger als noch im April prognostiziert. Auch die Rendite dürfte mit fünf bis sieben Prozent um einen Prozentpunkt niedriger ausfallen als bislang angenommen. Derzeit ist Audi von dieser Rendite aber noch weit entfernt: Im ersten Halbjahr lag sie lediglich bei 3,8 Prozent.
Finanzchef Jürgen Rittersberger sagte, die bereits eingeleiteten Sparmassnahmen zeigten zwar Wirkung, reichten aber nicht aus. «Wir müssen in dem Umfeld, in dem wir uns bewegen, wettbewerbsfähiger und effizienter werden, an den Kostenstrukturen arbeiten und Entscheidungsprozesse schneller hinbekommen», sagte er. Dabei werde es kein Gegeneinander der beiden Standorte Neckarsulm und Ingolstadt geben. «Wir haben Möglichkeiten, an beiden Standorten die Effizienz zu steigern», sagte Rittersberger. «Wenn alle mithelfen, können wir eine Zukunft für Neckarsulm organisieren.»
VW-Konzernchef Oliver Blume hatte zuletzt in einem intern veröffentlichten Interview gesagt, dass in Europa Überkapazitäten von 500.000 Fahrzeugen abgebaut werden müssten. Bislang könne in den 2030er Jahren keine Werksbelegung für die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm bestätigt werden. Derzeit können in Neckarsulm jährlich 225.000 Fahrzeuge gebaut werden, das sind rund 75.000 weniger als noch vor wenigen Jahren. An dem Standort laufen derzeit ausschliesslich Verbrennerfahrzeuge vom Band. Laut Rittersberger ist bereits beschlossen, die Nachtschicht in dem Werk zu streichen. «Wir sind kontinuierlich dabei, die Kapazitäten auf die Marktlage anzupassen.»
Audi leidet unter der Marktflaute in China und unter den Zöllen von US-Präsident Donald Trump. Mit 29,2 Milliarden Euro erwirtschaftete der Autobauer mit den vier Ringen als Logo im ersten Halbjahr so wenig Umsatz wie in der Corona-Krise 2021 nicht mehr, der Gewinn lag mit 1,1 Milliarden Euro unter dem Strich um 220 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert.
(Reuters)

