Der Mäuse- und Tastaturhersteller Logitech dürfte weiter unter dem Abschwung nach dem Ende des Booms in der Coronapandemie leiden. Analysten rechnen mehrheitlich damit, dass Umsatz und Gewinn im ersten Quartal 2023/24 (per Ende Juni) eingebrochen sind. Sie gehen aber davon aus, dass der Rückgang im Rahmen der eigenen Prognose des Unternehmens für das erste Semester liegt. Und die Einnahmen dürften auch über dem Vor-Corona-Niveau liegen.

Wegen der unsicheren makroökonomischen Bedingungen hat der Konzern bisher noch keine Guidance für das Gesamtjahr abgegeben. Die Experten können sich daher vorstellen, dass es anlässlich der Zahlenvorlage auch eine Jahresprognose geben könnte. Die Unsicherheit über das zweite Halbjahr stimme nicht zuversichtlich, heisst es am Markt. Eine mögliche Prognose könnte unterhalb des aktuellen Konsenses liegen, befürchtet ZKB-Analyst Andreas Müller.

Eine Baustelle bleiben bei Logitech die Betriebskosten. Ausserdem bleibt die Frage nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für den abrupt abgetretenen Unternehmenschef Bracken Darrell ungeklärt.

Das jüngst angekündigte neue Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1 Milliarde US-Dollar lasse aber vermuten, dass keine Restrukturierung nach dem CEO-Abgang nötig wird, heisst es von Kepler Cheuvreux. Logitech verfüge mit reichlich Barmitteln über ein Polster und strategische Optionen. Nach den jüngsten Ereignissen bleibe aber ungewiss, wohin das Unternehmen steuere, schreibt Analyst Torsten Sauter.

Mitte Mai anlässlich der Zahlen zum Geschäftsjahr 2022/23 (per Ende März) bestätigte Logitech die Prognose für das erste Semester des im April gestarteten neuen Geschäftsjahres 2023/24. Für die ersten sechs Monate rechnet die Gesellschaft mit einem weiteren Umsatzrückgang um 18 bis 22 Prozent auf 1,8 bis 1,9 Milliarden Dollar. Das Betriebsergebnis (non-GAAP) soll auf 160 bis 190 Millionen Dollar schrumpfen. Im Vorjahr waren es 302 Millionen Dollar.

Logitech auch in den USA stark verwurzelt

Mitte Juni ist CEO Darrell nach rund zehn Jahren im Amt per sofort zurückgetreten. Ad Interim hat Verwaltungsratsmitglied Guy Gecht übernommen. Darrell kam zu Logitech, als sich das Unternehmen in einer tiefen Krise befand. Die Aktien waren nach einem Hoch von 40 Franken auf 7 Franken abgestürzt. Das Unternehmen hatte Trends wie Smartphones und Tablets verschlafen. Zudem häuften sich die Managementfehler, etwa bei Zukäufen. Viele Experten rechneten damals sogar mit einem baldigen Ende des Unternehmens. Entgegen allen Erwartungen vermochte Darrell das Ruder allerdings schnell wieder rumzureissen.

Nach einem Nachfolger soll jetzt global gesucht werden, wie es hiess. Das passt grundsätzlich zu Logitech, ist das Unternehmen doch nicht nur in der Westschweiz, sondern auch in den USA stark verwurzelt. Einem Bericht der "Bilanz" von Ende Juni zufolge soll der Konzern schon seit einem Jahr auf der Suche nach Ersatz für Darrell gewesen sei. Mit seinem Rücktritt und Wechsel zum US-Modekonzern VF Corporation sei Darrell gar seiner Entlassung zuvorgekommen, hiess es in dem Artikel.

Erst letzte Woche wurde indes bekannt, dass der Westschweizer Computerzubehörhersteller die finnische Loupedeck gekauft hat. Die Übernahme sei zu einem "nicht wesentlichen Betrag" erfolgt. Das 2016 gegründete Unternehmen mit Sitz in Helsinki stellt unter anderem Konsolen her, mit denen die Nutzer feinste Änderungen vornehmen können, etwa beim Bearbeitern von Bildern, Ton oder Videos.

Die SMI-Titel notieren mit einem Preis von gut 55 Franken 4 Prozent tiefer als zum Jahresende 2022 (SMI: +5 Prozent). 2022 gaben sie um gut ein Viertel nach (SMI: -17 Prozent). Seit zwei Jahren steht die Aktie unter Druck. Noch im Juni 2021 hatte sie - beflügelt von der Coronapandemie - mit 125 Franken auf einem Rekordhoch notiert.

(AWP/cash)