Am Dienstag, den 3. November, publiziert das Bundesamt für Statistik (BFS) die Teuerungszahlen für den Monat Oktober. Die Ökonomen der Nachrichtenagentur Bloomberg erwarten einen Anstieg der Jahresteuerung auf 1,2 von 1,0 Prozent. Höhere Energiepreise und deren Weitergabe an die Kosten für Kraftstoffe und Haushalte dürften diesen Anstieg erneut befeuert haben. Andererseits dürften sich günstige Basiseffekte im Dienstleistungssektor leicht positiv ausgewirkt haben. Damit nähert sich die Inflation dem für den Jahreswechsel erwarteten Höchststand von 1,4 Prozent.
Nach Erreichen dieses Höchststands rechnen die Bloomberg-Ökonomen für 2027 mit einem Rückgang der Inflation, da die höheren Energiepreise dann aus dem Jahresvergleich herausfallen. Die jüngste Erholung des Schweizer Frankens dürfte zudem den Effekt abfedern, dass die Preise länger auf einem hohen Niveau verharrten, als dies ursprünglich angenommen wurde.
Der Wert für Oktober dürfte die Einschätzung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) stützen, dass der Energieschock weitgehend vorübergehender Natur ist und nur begrenzte Zweitrundeneffekte oder indirekte Auswirkungen nach sich zieht. Zinserhöhungen dürften damit vom Tisch sein. Die Bloomberg-Experten gehen davon aus, dass der Schweizer Leitzins bis Ende 2027 unverändert bleibt.
Selbst nach einem relativ deutlichen Anstieg im Oktober bliebe die Schweizer Teuerung im Rahmen der Zielbandbreite der Schweizerischen Nationalbank von 0 bis 2 Prozent. Die Nationalbank wäre erst zu einer Zinserhöhung genötigt, wenn die Teuerung weiter Richtung 2 Prozent anziehen würde.
Strompreise steigen erst 2028
Etwas anders sieht die Lage in der Eurozone aus. Die vorläufigen Inflationszahlen für Oktober zeigten für Frankreich, Spanien und Italien eine Gesamtinflation von 3,8 Prozent respektive 4,9 und 5,6 Prozent. Etwas geringer fiel der Anstieg in Deutschland mit 2,8 Prozent aus. Insgesamt dürfte die Teuerung in der Eurozone im Oktober final auf 4 Prozent zu stehen kommen.
Der Unterschied zur Schweiz ist primär darauf zurückzuführen, dass sich die höheren Gas- und Energiepreise in der Eurozone deutlich rascher in den Inflationsdaten auswirken als in der Schweiz. Zudem hat die Energie in der Schweiz ein geringeres Gewicht am Konsumentenpreisindex. Ferner machen neben Heizöl und Kraftstoffen die Elektrizität einen beträchtlichen Teil des Energieverbrauchs Schweizer Haushalte aus.
Im Vergleich zur Weitergabe der weltweiten Gaspreise an die Stromrechnungen in der Eurozone erfolgt dies in der Schweiz erst mit grosser Verzögerung, weil die Stromtarife einmal jährlich im Januar angepasst werden und nicht fortlaufend. Die Preisanpassungen müssen die Anbieter bereits im August melden, weshalb der Teuerungsschub in den Monaten September und Oktober 2026 praktisch keinen Einfluss auf die Strompreise im kommenden Jahr haben wird.
Insgesamt dürften die Strompreise für das Jahr 2027 sogar leicht sinken. Erst ab dem Jahr 2028 sei mit einem Anstieg zu rechnen, so die Ökonomen der Deutschen Bank. Im Vergleich zu Deutschland heben die Experten aus Frankfurt zudem hervor, dass die Schweizer Stromversorger aufgrund des hohen Anteils an Kernenergie und Wasserkraft etwas vor den europäischen Referenzgaspreisen geschützt sein dürften.
Inflation kletterte im September auf 1 Prozent
Die Schweizer Inflationsrate lag im September mit 1,0 Prozent im Mittelfeld der Erwartungen. Die Prognosen der Ökonomen hatten in einer Umfrage der Nachrichtenagentur AWP von 0,7 bis 1,2 Prozent gereicht. Über 1 Prozent hatte die Inflation letztmals im August 2024 gelegen. Schon im Vormonat August war sie deutlich angestiegen, davor hatte sie zwischen 0,3 und 0,6 Prozent geschwankt.
Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) verharrte derweil im September zum Vormonat bei 101,5 Punkten. Die Stabilität gegenüber dem Vormonat resultierte laut den Angaben aus entgegengesetzten Entwicklungen, die sich insgesamt aufwogen. Gestiegen waren die Preise für Heizöl, Benzin und Diesel.
Die Preise für Pauschalreisen ins Ausland sowie für Automiete und Carsharing waren gemäss dem Bundesamt für Statistik (BFS) hingegen gesunken, ebenso wie die Preise in der Hotellerie und Parahotellerie.

