Ausblick - Weshalb Gold in der ersten Jahreshälfte ein Verlustgeschäft bleibt

Steigende Inflation und Gold ist eigentlich eine gute Kombination - nicht aber in einer starken Wirtschaftserholung. Zumindest für die erste Hälfte des Jahres sollten sich Goldanleger warm anziehen.
25.02.2021 13:45
Von Manuel Boeck
Der Goldpreis bleibt unter Druck.
Der Goldpreis bleibt unter Druck.
Bild: Bloomberg

Der Goldpreis ist drauf und dran, den zweiten Monat in Folge eine negative Kursrendite abzuwerfen. Seit Jahresbeginn hat das glänzende Edelmetall 5,9 Prozent an Wert eingebüsst und ist aktuell erneut unter die Marke von 1800 Dollar gefallen. 

Manche Anleger reiben sich wohl verblüfft die Augen. So geht doch das Gelddrucken der Notenbanken ungehemmt weiter und der Dollar verliert gemessen am Dollar-Index (DXY) tendenziell an Wert. Dazu kommt, dass die Inflation im Steigen begriffen ist. Insgesamt ist dies ein Cocktail, der dem Goldpreis zugute kommen sollte.

Die Betonung liegt auf "sollte": Denn gleichzeitig steigen die Renditen der US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit in der Erwartung einer starken Wirtschaftserholung auf den höchsten Stand seit einem Jahr. Dies ist ein Problem für den Goldpreis, da Anleihen mit geringem Risiko - im Normalfall Staatsanleihen - traditionellerweise die Alternative zur Krisenwährung Gold sind.

Steigt die Rendite der Anleihen, verringert sich daher für Anleger die Attraktivität von Gold als Investment. Umgekehrt ist dies genauso der Fall, wie in der untenstehenden Grafik für die letzten fünf Jahre gut ersichtlich ist.

Der fast spiegelbildliche Verlauf zwischen Anleihenrenditen (blau) und Goldpreis (rot). (Grafik: Federal Reserve Bank of St. Louis).

Entscheidender ist schlussendlich aber der Blick auf die Realzinsen. Bei dieser wird auch die goldpreistreibende Inflation berücksichtigt. Der Realzins wird üblicherweise definiert, in dem von den Renditen der US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit die Inflationsrate abgezogen wird. Diese Differenz hat sich seit dem Tiefstwert von -1,08 Prozent Ende August auf aktuell -0,79 Prozent verkleinert.

Abflüsse bei Gold-ETF

Eine Konsequenz dieser fallenden Attraktivität gegenüber den anderen Anlageklassen: Anleger verkaufen ihre Gold-ETF (Exchange Traded Funds). Aktuell reduzieren die ETF den achten Tag zur Folge ihre gehaltenen Goldbestände - die längste Dauer von Abflüssen seit Dezember. Aktien, Kryptowährungen oder Basismetalle erfreuen sich in einem solchen Umfeld schlichtweg einer grösseren Beliebtheit.

Auch die dieswöchige Aussage von Fed-Chef Jerome Powell, dass die US-Notenbank trotz steigender Konjunkturhoffnungen an den Finanzmärkten nichts an ihrer ultralockeren Geldpolitik ändern wird, brachte keine Verschnaufspause beim Goldpreis. Edward Moya, Marktanalyst beim Broker Oanda, sagte in einem Kommentar: "Gold ist in einer Gefahrenzone, da Powell keine Antwort auf die steigenden Renditen gegeben hat."

Anleger werden insbesondere im ersten Halbjahr keine grosse Freude an ihrer Goldposition haben. Das Wirtschaftswachstum beschleunigt sich, was rein schon dem Basiseffekt geschuldet ist - dem Vergleich gegenüber dem Vorjahr. Dies dürfte die Nominalzinsen weiter in die Höhe treiben und die Realzinsen trotz des Inflationsanstiegs höher werden lassen.

Anleger, die einen Goldkauf vorhaben, sollten sich daher gedulden und auf die Entwicklung bei der Inflation und dem Wirtschaftswachstum achten: Bleibt die Inflation hoch und das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich, dann wird Gold in der Regel wieder steigen. Das gleiche gilt, wenn es Fed-Chef Powell gelingt, die Nominalzinsen wieder herunterzudrücken.