Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird ihren Leitzins am Donnerstag Experten zufolge voraussichtlich bei null Prozent belassen. Alle 35 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Ökonomen erwarten für die anstehende Zinssitzung keine Veränderung. Fast alle Experten (29 von 31) gehen auch bis zum Jahresende von einem unveränderten Satz aus. Zwei Drittel der Befragten rechnen zudem damit, dass die Notenbank den Leitzins bis Ende 2027 bei null Prozent belassen wird.
Die Schweiz weist mit null Prozent den weltweit niedrigsten Leitzins auf. Die Inflationsrate ist zudem mit zuletzt 0,8 Prozent im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften sehr gering. Die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) hatten ihre Zinsen wegen der anhaltend hohen Ölpreise infolge des Nahost-Konflikts zuletzt angehoben. Selbst die japanische Notenbank hatte in der vergangenen Woche ihren Leitzins auf 1,25 Prozent angehoben.
Die wachsende Zinsdifferenz belastete den Franken, der seit Anfang März zum Euro knapp fünf Prozent an Wert verlor. Der SNB komme diese Entwicklung gelegen, erklärte Saxo-Bank-Experte Erik Schafhauser. Der schwächere Franken verteuere Importe, zugleich halte der hohe Ölpreis einen gewissen Preisdruck aufrecht. Beides verringere die Gefahr, dass die Schweiz erneut in eine Deflation gerät. «Für die anstehende Lagebeurteilung der SNB ist die Ausgangslage deshalb klar: Am Markt gilt ein unveränderter Leitzins als nahezu sicher. Spannender wird es jedoch danach.»
Auch Nadia Gharbi, Ökonomin bei der Bank Pictet, rechnet nicht mit einer unmittelbaren Straffung. Dennoch blieben die Energiepreise die entscheidende Variable. Je länger sie hoch blieben, desto grösser sei das Risiko von Zweitrundeneffekten und einer hartnäckigeren Inflation, was zu einem früheren Beginn der geldpolitischen Normalisierung führen könnte.
Das Wirtschaftswachstum in der Schweiz fiel zuletzt mit 2,8 Prozent im vergangenen Quartal stärker aus als erwartet. Die Ökonomen prognostizieren für das Gesamtjahr ein Wachstum von 2,0 Prozent und dann von 1,6 Prozent im Jahr 2027. Derweil veranschlagen Ökonomen für 2026 eine Inflation von 0,6 Prozent und für 2027 von 0,7 Prozent.
Die Terminkontrakte auf Energie und Umfragen zu den Verkaufspreisen deuteten auf einen weiteren Anstieg der Inflation im Jahr 2027 hin, erklärte Claus Vistesen, Chefvolkswirt für die Eurozone bei Pantheon Macroeconomics. Er rechnet mit einer Zinserhöhung der SNB im ersten Quartal 2027.
Verbesserte Wachstumsaussichten und ein schwacher Franken könnten zudem den Druck auf die Schweizerische Nationalbank (SNB) erhöhen, geldpolitisch zu handeln. «Während der Spielraum für einen Anstieg von Dollar/Franken und Euro/Franken kurzfristig begrenzt ist, steigt das Risiko, dass die SNB die Zinsen früher als vom Markt derzeit erwartet anhebt», sagte Claudio Wewel, Devisenstratege bei J. Safra Sarasin. Dies dürfte die Wende für den Franken einläuten. Zudem stellten anhaltende politische Unsicherheiten ein latentes Aufwärtsrisiko für die Währung dar.
(Reuters)

