Die ‌Rendite ⁠der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe kletterte auf ein frisches 15-Jahres-Hoch. Anleger sind besorgt, dass höhere Energiepreise ⁠im Zuge des Nahost-Konflikts die Inflation anheizen und weitere Zinserhöhungen nach sich ziehen könnten. Vor diesem Hintergrund ‌warfen Investoren von Tokio bis New York Staatsanleihen aus ihren ‌Depots und verschärften damit den Einbruch am ​Anleihemarkt.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die als Richtwert für die Eurozone gilt, stieg um 2,5 Basispunkte auf 3,1796 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen italienischen Anleihe legte um drei Basispunkte auf 3,973 Prozent zu und erreichte damit den höchsten Stand seit sechs ‌Wochen. Auf die Frage, ob sie über den Ausverkauf bei Anleihen besorgt sei, antwortete die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, Reportern am Montag: «Ich mache mir immer Sorgen, das ​ist mein Job!»

Während vergangene Woche Grossbritannien angesichts innerpolitischer Turbulenzen an der ​Spitze des Anleihen-Ausverkaufs stand, waren britische Staatsanleihen am Montag ​gefragt. Im Gegenzug sank die Rendite für zehnjährige britische Anleihen um vier Basispunkte auf 5,14 Prozent. Vergangene ‌Woche war sie um 26 Basispunkte auf ein 18-Jahres-Hoch von 5,187 Prozent geschnellt. Nach dem Wahldebakel seiner Labour-Partei bei den jüngsten Kommunalwahlen fürchteten Anleger, Premierminister Keir Starmer könnte ​zum Rücktritt ​gezwungen werden. Unter Investoren gibt es ⁠Bedenken, dass ein traditionellerer, linker Labour-Premier die Staatsausgaben und Steuern ​deutlich erhöhen könnte.

«Inflations- und ⁠Defizitsorgen waren schon eine Weile im Hintergrund», konstatierte Mohit Kumar, Chefvolkswirt für Europa bei ‌Jefferies. «Grossbritannien war wahrscheinlich der Katalysator, der diese Sorgen in den Vordergrund gerückt hat.» Der Iran-Krieg bleibe jedoch der Hauptfokus für die Märkte, sagte Olle ‌Holmgren, Stratege bei SEB Research. An den Märkten wird mittlerweile ​eine 85-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf der nächsten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) eingepreist. 

(Reuters)