Beim Berliner Christopher Street Day (CSD) ist ein Auto in eine Menschenmenge gefahren. Dabei kam nach Polizeiangaben ein Mensch ums Leben, 16 weitere Personen wurden verletzt. Die Feuerwehr sprach von drei lebensgefährlich und acht Schwerverletzten. Der Fahrer eines weissen Fahrzeugs habe gegen 22.00 Uhr (MESZ) im Berliner Tiergarten mehrere Personen angefahren, erläuterte ein Polizeisprecher vorort. Das Fahrzeug sei an einem Baum zum Stehen gekommen und von der Polizei leer aufgefunden worden. «Deswegen fahnden wir aktuell mit Hochdruck nach dem oder den Tätern.» Bisher hat es der Polizei zufolge aber noch keine tatbezogenen Festnahmen gegeben. Sie warnte vor Falschmeldungen in den Sozialen Medien.
Der Bereich im Berliner Tiergarten wurde weiträumig abgesperrt. Zahlreiche Polizeikräfte sowie Rettungskräfte der Berliner Feuerwehr waren im Einsatz. «Wir haben mehrere Zeugen, die wir hier aktuell vor Ort vernehmen und die uns jetzt umfangreich den Tathergang auch hier nochmal schildern», sagte der Polizeisprecher. Die Behörden machten keine weiteren Angaben zum Fahrzeug, ausser dass es weiss war. Die «Bild»-Zeitung zitierte einen Zeugen, der angab, es habe sich um einen Transporter gehandelt, aus dem ein Mann ausgestiegen und zu Fuss geflohen sei.
Unterstützt wurden die Einsatzkräfte auch durch die psychosoziale Notfallversorgung, die nach Angaben der Feuerwehr etwa 30 Personen betreuten. Es habe zuvor keine Hinweise auf einen solchen Vorfall gegeben, sagte ein Polizeisprecher. «Die Ermittlungen zum Tathergang dauern an.» Über ein Hinweisportal sollen Angaben und Zeugenberichte zur Tat gesammelt werden.
Ein Sprecher von Bundeskanzler Friedrich Merz sagte der Funke Mediengruppe, der Bundeskanzler werde laufend informiert und sei mit Innenminister Alexander Dobrindt in engstem Kontakt. «Seine Gedanken sind bei den Opfern.»
Hunderttausende hatten am Samstag in Berlin den Christopher Street Day gefeiert. Nach dem Vorfall brachen die Organisatoren die Veranstaltung ab. Von der Bühne vor dem Brandenburger Tor forderte ein Sprecher die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, nach Hause zu gehen. «Ich bitte Euch, ganz ruhig Richtung Ausgänge zu gehen. Bitte meidet den Weg Richtung Siegessäule.» Auch in den Sozialen Medien informierten die Veranstalter über den Abbruch.
Der Berliner Christopher Street Day ist eine der grössten LGBTQ+-Pride-Veranstaltungen Europas und lockt jedes Jahr Hunderttausende Teilnehmer und Unterstützer in die deutsche Hauptstadt. Die Veranstaltung erinnert an den Stonewall-Aufstand von 1969 in New York und verbindet eine farbenfrohe Parade mit Forderungen nach Gleichberechtigung, Inklusion und Schutz vor Diskriminierung. Der CSD, der 1979 erstmals in West-Berlin stattfand, hat sich von einer kleinen Demonstration zu einem festen Bestandteil des kulturellen und politischen Kalenders der Stadt entwickelt.
(Reuters)

