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Autohersteller - Die Geely-Aktie lässt alle stehen

Nach der Dieselaffäre die Kartellvorwürfe: Die Autoindustrie steht wieder einmal in den Negativschlagzeilen. Doch der Aktienmarkt deutet an, welche Autohersteller für die Zukunft gerüstet sind.
24.07.2017 23:05
Von Ivo Ruch
Mit der Marke Lynk & Co. will Geely global erfolgreich sein.
Mit der Marke Lynk & Co. will Geely global erfolgreich sein.
Bild: Bloomberg

500 Prozent: So viel Gewinn hat die Aktie von Geely in den letzten 22 Monaten eingefahren. Auch in diesem Jahr steht der chinesische Automobilhersteller bereits 150 Prozent im Plus. Damit lässt Geely sämtliche Konkurrenten hinter sich, wie Bloomberg ausgerechnet hat. Der folgende Chart zeigt, wie die Geely-Aktie seit Mitte 2016 "outperformt".

Geely, der Name bedeutet im Chinesischen "glücklich", wächst im heimischen Automarkt rasant. Mit einer Palette von zehn verschiedenen Modelltypen wurden in China zwischen Januar und Juni 527'000 Fahrzeuge verkauft, 95 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders beliebt bei den Chinesen waren die SUV-Modelle.

Im Gesamtjahr 2017 will Geely die Marke von einer Million verkaufter Autos knacken. Im internationalen Vergleich ist das aber noch lange nicht Spitze. Der Volkswagen-Konzern alleine hat im letzten Jahr in China knapp vier Millionen Autos abgesetzt. Doch an der Börse tun sich die traditionellen Hersteller momentan schwer: Die VW-Aktie kommt im laufenden Jahr bloss auf ein Plus von 3 Prozent, bei BMW sind es -9 Prozent und beim japanischen Giganten Toyota sind es -11 Prozent (siehe Tabelle am Artikelende).

Von einem Skandal zum nächsten

Was macht Geely also besser? Die deutsche Autoindustrie beschäftigt sich derzeit vor allem mit sich selbst. Nachdem die Affäre um manipulierte Dieselmotoren ein schlechtes Licht auf die Branche warf, sehen sich Audi, BMW, Mercedes, Porsche und VW nun dem Vorwurf der Kartellbildung ausgesetzt.

Laut dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" sollen sich die Hersteller seit den 90er Jahren gemeinsam über Technik, Kosten und Zulieferer verständigt haben. Ihnen drohen Milliarden-Bussen und Schadenersatzklagen von Konsumenten. Die VW-Aktie hat in den letzten zwei Handelstagen von 145 auf 137 Euro korrigiert.

Zudem ist die Industrie möglichst bald auf umweltfreundlichere Verbrennungsmotoren angewiesen, um die niedrigeren CO2-Grenzwerte einzuhalten. Gleichzeitig kommen Entwicklung und Absatz von Elektroautos nur schleppend voran. In dieser Zeit grosser Ungewissheit ist eines klar: In vielfacher Hinsicht entscheidet sich die Zukunft des Autos in China.

Fast jedes vierte Auto wird bereits in China verkauft. Bis 2025 soll es jedes Dritte sein, wie das Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen prognostiziert. Schon jetzt ist China für Elektroautos mit Abstand der grösste Markt. Mit über einer halben Million verkaufter E-Fahrzeuge im letzten Jahr war der dortige Absatz grösser als in Europa und den USA zusammen.

Clevere Übernahmen

Mit seinem starken Fokus auf den Heimmarkt hat Geely diesbezüglich einen Vorteil. Denn die chinesische Regierung will eine Quote für Elektroautos einführen und diese sukzessive erhöhen. Die Mehrheit dieser Fahrzeuge soll in China gebaut werden. In naher Zukunft will Geely 90 Prozent seiner Autos mit einem Elektromotor ausrüsten.

Gleichzeitig ist der China-Fokus eine Schwäche von Geely: Die Exporte machen noch einen unbedeutenden Teil des Umsatzes aus. Im ersten Halbjahr 2017 nahmen die Ausfuhren gar um 64 Prozent auf 3800 Fahrzeuge ab.

Das soll sich ändern. Mit der Marke Lynk & Co. will Geely über China hinaus Fuss fassen. Dabei setzt der Konzern auf Kompaktwagen, die zusammen mit dem Tochterunternehmen Volvo entwickelt wurden. Überhaupt: Mit Übernahmen scheint Geely ein gutes Händchen zu haben. Volvo wurde erfolgreich saniert und macht sich derzeit als technologischer Vorreiter einen Namen. Von 2019 an werde jedes neue Volvo-Modell einen Elektromotor haben, kündigte der schwedische Autobauer jüngst an.

Eben erst wurde die Mehrheit am malaysischen Autobauer Proton und dessen Tochter Lotus übernommen. Zudem gehört die "London Taxi Company" zum Portfolio, Hersteller der schwarzen englischen Taxis. Auch hier steht eine Elektro-Version vor der Einführung.

Für den Aktienkurs von Geely bedeutet all dies nicht automatisch eine Einbahnstrasse nach oben. Die Erwartungen sind mittlerweile hoch, genauso wie die Bewertungen. Analysten berechnen ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 26. Mit einem KGV von 35 wird nur die Ferrari-Aktie teurer bewertet. Auch die grosse Abhängigkeit von staatlichen Zuschüssen wird immer kritisch beurteilt. Staatliche Subventionen  waren in den letzten Jahren für 38 Prozent der Geely-Einnahmen verantwortlich, wie Bloomberg schreibt.

Ausgewählte Auto-Aktien seit Anfang 2017

Autohersteller Performance, in %
Geely +151
Ferrari +72
Tesla +54
Fiat Chrysler +15
Audi +14
General Motors +4
VW +1
BMW -9
Toyota -11
Daimler -12

Quellen: cash.ch, Bloomberg (Angaben in Lokalwährungen)