Die Lage an den Finanzmärkten bleibe fragil und unsicher, teilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Mittwoch in Frankfurt mit. Die gute Stimmung ​an den Märkten blende stabilitätsbedrohende Faktoren wie militärische Konflikte, Handelsstreitigkeiten und ‌die hohe Verschuldung wichtiger Industrienationen aus. Zudem ‌bleibe offen, ob der Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI) nachhaltig sei. BaFin-Präsident Mark Branson sprach von einer gefährlichen Mischung: «Das Risiko steigt, dass die Finanzstabilität einen Härtetest bestehen muss. Das Potenzial für plötzliche Markt- und Preiskorrekturen ist hoch.»

Es gebe aber auch positive Faktoren. Banken und Versicherer seien ⁠profitabel und solide kapitalisiert. «Auch die staatlichen Investitionsimpulse in Deutschland sollten konstruktiv wirken», sagte Branson. «Aber es wäre fahrlässig, wenn wir uns in Sicherheit wiegen würden.»

Sorgen bereitet den Aufsehern unter anderem die ​schwächelnde deutsche Wirtschaft. Mit der steigenden Zahl an Unternehmensinsolvenzen nehme der ‌Anteil notleidender Kredite in den Bilanzen der Banken zu. «Es ‍bleibt auch das Risiko, dass die Märkte die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung infrage stellen», sagte ​Branson. Hinzu kämen die drastischen Versuche, Institutionen zu politisieren. Dies könnte zur Folge haben, dass die internationale Kooperation im Krisenfall möglicherweise nicht wie in der Vergangenheit funktioniere. «Wir leben in einer Welt, ‌die sich immer mehr deglobalisiert», resümierte der Behördenchef. Wenn ⁠es angesichts der globalen Unsicherheiten mit dem Marktoptimismus ‌so weitergehe, «muss es irgendwann knallen».

Erstmals analysierte die BaFin in ihrem jährlichen Bericht auch konkrete Risiken für Verbraucher. Hier ‍warnte die Behörde vor einer drohenden Überschuldung durch «Buy now, pay later»-Angebote, bei denen Konsumgüter sofort gekauft, aber erst später bezahlt werden. Zudem seien durch soziale ​Medien angeheizte Investitionen von Privatleuten in Kryptowerte ein Problem. Eine Erhebung ‍der Aufsicht zeige, dass Verbraucher deutlich risikoreicher investierten, wenn sie sich in sozialen Medien und bei sogenannten Finfluencern über Finanzthemen informierten.

(Reuters)