Die Baloise plant eine strategische Kehrtwende: Sie stoppt den vor rund sieben Jahre angestossenen Aufbau der Ökosysteme «Heim» und «Mobilität». Die zugkauften Firmen und Beteiligungen sollen wo sinnvoll ins Kerngeschäft integriert werden, einige könnten aber auch abgestossen werden.

Wie die Neuausrichtung aussehen soll, das will die Baloise im September an einem Investorentreffen darlegen, wie es am Dienstag hiess. Klar ist laut Konzernchef Michael Müller aber: «Die Baloise wird keine neuen Akquisitionen zum Ökosystemansatz tätigen und den Fokus auf das Kerngeschäft legen.»

Müller hatte im Herbst kurz nach Übernahme des CEO-Postens eine Überprüfung des Innovationsportfolios angekündigt. Davor war das Ziel, mit Firmen wie dem deutschen Digitalversicherer Friday oder der Wohneigentumsplattform Houzy das Geschäft mit digitalen Lösungen und Services zu ergänzen und Kunden zu gewinnen.

Ziele verfehlt

Das gelang nicht wunschgemäss: Die Baloise schrieb sich während der von 2022 bis 2025 laufenden Strategieperiode den Gewinn von 1,5 Millionen Kunden auf die Fahnen. Bis Ende 2023 waren knapp 230'000 dazugekommen. Zudem hätte das Portfolio einst 350 Millionen Franken zum Umsatz beitragen sollen. Im Jahr 2023 waren es nur gut 115 Millionen.

Das Umfeld für die Firmen in den Ökosystemen habe sich verändert und nachteilig auf die Bewertung und Zukunftsaussichten ausgewirkt, sagte Müller. Seit 2017 hatte die Baloise insgesamt rund 350 Millionen Franken in diese Bereiche investiert. Nun gehe es vor allem darum, die Start-Up-Firmen rentabler zu machen.

Weniger Gewinn, höhere Dividende

In der am Dienstag erstmals nach den neu eingeführten Bilanzregeln (IFRS 17/9) vorgelegten Jahreszahlen vermochte die Baloise nicht ganz zu überzeugen. Insbesondere der Rückgang des Gewinns um 3,3 Prozent auf 240 Millionen Franken gab in Analystenkreisen Anlass zur Kritik. Positiv wurde dagegen die geplante Dividendenerhöhung um 30 Rappen auf 7,70 Franken je Aktie aufgenommen.

Der Betriebsgewinn nahm um 6,0 Prozent auf 344 Millionen Franken ab, wobei Währungseffekte und tiefere Immobilienbewertungen auf das Ergebnis der Lebensversicherung drückten. Im Nichtlebengeschäft ging der EBIT trotz hoher Unwetterkosten nach oben. Die Gruppe hat die 2022 gebildeten Reserven grösstenteils wieder aufgelöst. Das Geschäftsvolumen kam indes mit 8,62 Milliarden Franken nur leicht unter Vorjahr zu liegen.

Mit einer geschätzten SST-Solvenzquote von 210 Prozent sieht Finanzchef Carsten Stolz die Baloise nach wie vor stark kapitalisiert. Zudem bleibe die Gruppe mit dem Ziel, bis 2025 Barmittel im Umfang von 2 Milliarden Franken zu generieren, auf Kurs. Per Ende 2023 wurde knapp die Hälfte davon erreicht.

Angriff auf Stimmrechtsbeschränkung

Derweil wehrt sich der Verwaltungsrat weiter gegen den Angriff des Investors zCapital auf die Stimmrechtsbeschränkung von 2 Prozent. Mit diesem Schutzmechanismus in den Statuten werde das Risiko vermindert, dass Interessen kurzfristig orientierter Investoren langfristige Perspektiven verdrängten.

Die Aktionäre stimmen Ende April über dieses Thema ab, während der Verwaltungsrat dazu bis zur Generalversammlung 2025 im Austausch mit Aktionären Vorschläge ausarbeiten will.

(AWP)