Die japanische Notenbank hat den Leitzins unverändert gelassen und vor den Auswirkungen der wegen des Iran-Kriegs gestiegenen Ölpreise auf die Inflation gewarnt. Nach der zweitägigen geldpolitischen Sitzung beliess die Bank of Japan (BOJ) am Donnerstag ihren kurzfristigen Leitzins unverändert bei 0,75 Prozent.
«Angesichts der zunehmenden Spannungen im Nahen Osten waren die globalen Märkte volatil», erklärten die Währungshüter in einer Mitteilung zur Bekanntgabe der Entscheidung. Steigende Ölpreise würden die Verbraucherinflation voraussichtlich erhöhen. Die Entscheidung war weithin so erwartet worden, nachdem die Zentralbank den Zins erst im Dezember von 0,50 Prozent auf das aktuelle Niveau angehoben hatte. Die BoJ hatte 2024 eine geldpolitische Wende vollzogen und nach Jahren des Kampfes gegen die Deflation die Zinsen mehrfach angehoben sowie ihre Anleihekäufe zurückgefahren.
Tobias Basse, Ökonom bei der NordLB, meinte in einem Kommentar: «Die Bank of Japan hat das Leitzinsniveau auch im März nicht verändern wollen. Man spielt also wieder auf Zeit. Die Notenbanker in Tokio werden im Jahr 2026 wohl noch an der Zinsschraube drehen wollen, sollten bei den Anpassungen an ihrer Geldpolitik aber keine grössere Hektik zeigen wollen. Die Regierung in Tokio blickt offenkundig eher skeptisch auf die zinspolitischen Pläne ihrer Notenbanker, der wirklich schwache Yen ist jedoch auch im Finanzministerium klar als Problem identifiziert worden.»
Die militärische Auseinandersetzung im Iran sei für die japanische Wirtschaftspolitik sicherlich eine Herausforderung, so der Experte von der NordLB weiter. Es drohen schliesslich einerseits Belastungen für die Wirtschaft und anderseits höhere Inflationsraten. Die Notenbanker könnten in eine regelrechte Dilemma-Situation kommen, was eher zu mehr Zögerlichkeit führen mag. Das Jahr sei aber noch lang, so Basse. «In der Summe scheint man sich in altbewährter Karl-May-Manier regelrecht an die Zinsanhebung heranschleichen zu wollen.»
(Reuters/cash)

