«Die Ölmärkte könnten am Montag mit ihren schlimmsten Befürchtungen konfrontiert werden», hiess es in einem Bericht der Bank am Samstag. «Nach derzeitigem Stand gehen wir davon aus, dass Brent 100 US-Dollar erreichen könnte, da der Markt mit der Gefahr einer möglichen Versorgungsunterbrechung angesichts der sich zuspitzenden Sicherheitslage im Nahen Osten zu kämpfen hat.»
Erst am Freitag - vor der militärischen Eskalation - hatte Barclays erklärt, der Ölpreis könnte angesichts der Spannungen rund um den Iran auf 80 Dollar stiegen.
Die Preise waren bereits in den vergangenen Wochen geklettert. Am Freitag hatte sich Öl der Sorte Brent um rund zwei Prozent auf 72,48 Dollar pro Fass (159 Liter) verteuert. Am Samstag taxierten Handelsplattformen den Preis bei rund 80 Dollar.
Etwa ein Fünftel des weltweit verbrauchten Öls wird durch die Strasse von Hormus zwischen Oman und Iran transportiert. Der Iran und andere Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) exportieren den grössten Teil ihres Rohöls über die Meerenge, vor allem in Richtung Asien. Jede Störung würde entsprechend ein Risiko für die weltweite Ölversorgung bedeuten und den Preis potenziell steigen lassen.
Der Iran, dessen Wirtschaft stark von Öleinnahmen abhängt, zählt mit rund 3,1 Millionen Barrel pro Tag zu den zehn grössten Produzenten weltweit, wie die Opec angibt. In den 1970er Jahren lag die Förderung fast doppelt so hoch, bevor die Islamische Revolution von 1979 und US-Sanktionen sie drückten.
Das Land verfügt über die drittgrössten Reserven weltweit, weshalb Angriffe auf seine Infrastruktur Folgen für den Markt hätten. Heute exportiert Teheran wegen US-Sanktionen nur 1,3 bis 1,5 Millionen Barrel täglich; mehr als 80 Prozent gehen laut Saxo-Bank-Analyst Ole Hansen nach China.
Das grösste Marktrisiko bleibt eine Blockade der Strasse von Hormus, die der Iran im Angriffsfall mehrfach angedroht hat. Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist die wichtigste Route für Ölexporte aus dem Nahen Osten.
Iranische Revolutionsgarden erklärten am Samstag laut Medienberichten, die Passage sei faktisch geschlossen.
(Reuters/AWP)

