Die Aktien der beiden kotierten Schweizer Schokoladenhersteller hatten es in den vergangenen Wochen nicht leicht. So sind die Titel von Lindt&Sprüngli und Barry Callebaut seit Ende Februar zwischen 25 und 30 Prozent gefallen.
Die aktuellen Kursgewinne bei Barry Callebaut lassen indes aufhorchen. Seit Ende April haben die Titel des - am Umsatz gemessen - grössten Schweizer Schokoladenproduzenten um mehr als 10 Prozent zugelegt und sich damit klar von Lindt & Sprüngli abgesetzt, deren Aktien weiterhin unter Druck stehen.
Ein wesentlicher Treiber dieser Gegenbewegung dürfte die zunehmende Fokussierung der Investoren auf das bevorstehende Strategie-Update vom 2. Juni sein, bei dem CEO Hein Schumacher erstmals umfassend darlegen wird, wie er den Konzern neu ausrichten will.
Aktienkursentwicklung von Barry Callebaut und Lindt&Sprüngli in Franken.
Bereits im April, anlässlich der Halbjahreszahlen, hatte der seit Januar amtierende CEO drei zentrale Prioritäten skizziert: Erstens die Schärfung des kommerziellen Fokus auf klar definierte Wachstumsbereiche, zweitens die Verbesserung der operativen Umsetzung durch eine konsequentere Beherrschung der Grundlagen und drittens die Förderung einer stärker kunden- und leistungsorientierten Unternehmenskultur. Am Kapitalmarkt richtet sich der Blick nun darauf, wie diese strategischen Leitlinien konkret umgesetzt werden sollen und welche zusätzlichen Investitionen dafür notwendig sind.
In diesem Zusammenhang haben erste Expertinnen und Experten eine Einschätzung über das bevorstehende Event abgegeben. Vontobel ist überzeugt, dass das bevorstehende Update «Focus on Growth» der richtige Schritt in Barrys wohl langer Sanierungsgeschichte unter Hein Schumacher sein dürfte. Die Prioritäten seien grundsätzlich richtig gesetzt, auch wenn der Weg dorthin angesichts der hohen Volatilität im Kakaomarkt alles andere als geradlinig verlaufen dürfte. Die Vontobel-Analysten sprechen in diesem Zusammenhang von einer «holprigen» Entwicklung und betonen, der Aktienkurs dürfte «alles andere als linear» verlaufen.
Turnaround möglich
Trotz dieser Unsicherheiten gibt es erste Anhaltspunkte, die für Fortschritte im Turnaround sprechen. So dürfte die aktuell noch hohe Cashflow-Generierung dazu beitragen, die Nettoverschuldung in relativ kurzer Zeit wieder auf ein moderateres Niveau zu senken. Für das laufende Jahr wird ein Verhältnis von Nettoschulden zu EBITDA von knapp unter drei erwartet, für nächstes Jahr wird ein solches von 2,5x prognostiziert. Der freie Cashflow in diesem Jahr dürfte sich laut Daten von LSEG auf 1,9 Milliarden Franken belaufen und sich ab nächstem Jahr auf 400 Millionen und dann 200 Millionen pro Jahr normalisierten.
Positive Branchensignale aus den USA sind ein weiterer Anhaltspunkt. Aussagen von Unternehmen wie Hershey und Mondelez deuten darauf hin, dass sich die Volumenentwicklung bereits im dritten Quartal 2026 erholen könnte. Nachdem die jüngsten Preiserhöhungen vor den Ostern bei den Konsumentinnen und Konsumenten nicht gut angekommen waren, verlief das Ostergeschäft für viele Schokoladenproduzenten schwach und der Markt ging von rückläufigen Preisen für eine Belebung der Absatzmengen aus. Der Konsument scheint nun aber weniger nachtragend zu sein, als noch zu Beginn des Jahres angenommen wurde.

