Nach fast zwei Jahren rückläufiger Absatzmengen dürfte Barry Callebaut im dritten Quartal die Wende geschafft haben: Analysten rechnen mehrheitlich wieder mit einem positiven Volumenwachstum. Insgesamt bleibt die Bilanz der ersten neun Monate des Geschäftsjahres jedoch weiter negativ. Aber auch die Qualität dieser Erholung und mögliche Fortschritte bei der neuen Strategie von CEO Hein Schumacher stehen im Fokus.

Gemäss dem AWP-Konsens von fünf Analysten dürfte der Schokoladenkonzern einen Umsatz der ersten neun Monate von 9,735 Milliarden Franken nach 10,947 Milliarden Franken in der Vorjahresperiode erzielt haben. Die Volumen dürften in dieser Periode von 1,6 Millionen Tonnen auf 1,53 Millionen Tonnen gefallen sein.

Ist der Wendepunkt bei den Volumen erreicht?

Analysten rechnen jedoch damit, dass Barry Callebaut im dritten Quartal erstmals seit fast zwei Jahren wieder organisch wächst. Eine solche Entwicklung wäre ein wichtiger Meilenstein, nachdem die Absatzmengen in den vergangenen Quartalen unter den rekordhohen Kakaopreisen und einer schwachen Nachfrage gelitten hatten. Allerdings profitiert das Unternehmen von einer tiefen Vergleichsbasis: Im Vorjahresquartal waren die Volumen um 9,5 Prozent eingebrochen.

Wie hochwertig wäre ein Volumenwachstum?

Nicht alle Analysten erwarten, dass eine positive Quartalsbilanz gleichbedeutend mit einer nachhaltigen Erholung des Geschäfts ist. So geht die UBS davon aus, dass ein allfälliges Plus vor allem vom margenschwächeren Kakaogeschäft getragen wird. Dort seien nach dem Lagerabbau im Vorjahr Nachholeffekte zu erwarten.

In den margenstärkeren Bereichen Food Manufacturers und Gourmet rechnen die Experten zwar mit einer Verbesserung gegenüber den Vorquartalen, gegenüber dem Vorjahr aber höchstens mit stabilen Volumen. Investoren dürften daher genau darauf achten, ob die Erholung breit abgestützt ist oder sich vor allem auf das weniger profitable Kakaogeschäft beschränkt.

Warum dürfte der Umsatz stärker als das Volumen sinken?

Während sich die Absatzmengen stabilisieren könnten, dürfte der Umsatz erneut klar rückläufig ausfallen. Die Analysten rechnen mit gut minus 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ursache ist das Cost-Plus-Geschäftsmodell von Barry Callebaut: Der Konzern gibt die Kosten für Kakao weitgehend an seine Kunden weiter. Nachdem sich der Kakaopreis gegenüber den Rekordständen des Vorjahres deutlich normalisiert hat, kehrt sich der frühere Preiseffekt nun um. Hinzu kommen negative Währungseffekte.

Worauf achten Investoren sonst noch?

Im Mittelpunkt stehen Aussagen zur Umsetzung der im Juni vorgestellten Strategie «Focus for Growth». CEO Schumacher will mit einer stärkeren Kundenorientierung, operativen Verbesserungen und einer Fokussierung auf profitablere Geschäftsfelder verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Ebenso wichtig dürfte der Ausblick bleiben. Barry Callebaut peilt für das Gesamtjahr weiterhin einen Volumenrückgang von 1 bis 3 Prozent an. Dieses Ziel setzt eine positive Entwicklung im zweiten Semester voraus. Analysten erwarten zwar, dass der Konzern den Ausblick bestätigt, rechnen aber mehrheitlich mit einem weiterhin holprigen Erholungspfad.

Was macht der Aktienkurs?

Die Barry-Callebaut-Titel sind im bisherigen Jahresverlauf um gut 10 Prozent gesunken. Damit schneiden sie deutlich schlechter ab als der Gesamtmarkt gemessen am SPI mit einem Plus von rund 12 Prozent. Auch die Anfang Juni vom neuen CEO vorgestellte Strategie und die Konzentration auf weniger Projekte brachte keinen Schub: Der Kurs legte gerade mal gut 3 Prozent zu, während der SPI mehr als satte 7 Prozent stieg.

Gemäss AWP-Analyser bewerten vier von 16 Analystinnen und Analysten den Titel zu Kauf, je sechs empfehlen ein Halten und ein Verkaufen. Das durchschnittliche Kursziel für die kommenden zwölf Monate schätzen sie dabei auf 1177 Franken - ein Abwärtspotenzial von etwa 1,5 Prozent.

(AWP/cash)