Baselworld 2018 - Biver: «Signale sind grün - und jetzt kommt der Handelskrieg!»

Der Eröffnungstag der Baselworld neigt sich dem Ende entgegen. Letzte Eindrücke in Form von Fotos beenden den Bericht von cash.ch. Im Gespräch hatten wir Jean-Claude Biver, der mit gemischten Gefühlen aufs Jahr blickt.
22.03.2018 16:54
Von Marc Forster, Basel
LVMH-Uhrenchef Jean-Claude Biver fürchtet den Handelskrieg, erwartet aber weiteres Exportwachstum.
LVMH-Uhrenchef Jean-Claude Biver fürchtet den Handelskrieg, erwartet aber weiteres Exportwachstum.
Bild: cash

17:00

Einige letzte Eindrücke von der Baselworld. Smartwatches - siehe da - finden sich bei der Marke "Young" aus Hongkong, die etwas abseits von der prunkvollen Haupthalle zusammen mit zahlreichen anderen Fernost-Herstellern ausstellt:

Mit Zeno Watch Basel findet sich ein ganz offensichtlich einheimischer Anbieter, der wesentlich bescheidener auftritt als...

... Patek Philippe, gewissermassen der Rolls-Royce der Uhrenwelt.

15:55

In den ersten zwei Monaten 2018 wuchs die Uhrenindustrie um 10,5 Prozent. Alle Signale stünden derzeit auf grün, wenn da ein gewichtiges Problem nicht wäre, sagt Jean-Claude Biver im Interview mit cash.ch: "Ich weiss nicht, wie tief die Konsequenzen des Handelskrieghs zwischen den USA und China sein werden", sagt Biver. Unsicherheit, die nun entstehe, sei der Feind der guten Kaufstimmung.

Biver bleibt aber Optimist. "Die Suppe wird aber nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird", sagt der gebürtige Luxemburger, der den LVMH-Marken Tag Heuer, Hublot und Zenith vorsteht. Der Handelskonflikt werde nicht die gesamte Kauflaune zum Erliegen bringen. "Wenn man mich nach einer Prognose fragt: Die Schweizer Uhrenindustrie wird dieses Jahr fünf bis sechs Prozent mehr exportieren als 2017."

Das gesamte Interview mit Jean-Claude Biver:

 

15:15

Der offiziellen Schweiz liegt einiges an einer der wichtigen und prestigeträchtigen Exportindustrien des Landes.

15:00

Jean-Claude Biver gehört zu den bekanntesten Köpfen der Schweizer Uhrenindustrie. Auch cash.ch konnte mit dem Uhren-Chef des LVMH-Konzerns sprechen: Biver äussert sich zur Erholung des Uhrenmarktes, den Verkäufen in China und insbesondere auch dem Handelskonflikt zwischen den USA einerseits und Europa und China andererseits.

13:30

... und nicht zu vergessen: Die Baselworld steht auch für Perlen, Edelsteine, Diamanten, Silber, Gold und Platin.

12:50

An der Baselworld dominieren die traditionellen Uhren. Smartwatches, wo die Techkonzerne Apple und Samsung das Geschehen dominieren, fristen ein Mauerblümchendasein. Die "T-Touch" der mittelpreisigen Swatch-Marke Tissot ist immerhin ein bisschen "smart".

Schöne, mechanische und meist ziemlich teure Uhren prägen das Bild, wie diese Damenmodelle von Rolex. Die Genfer Manufaktur ist ohne Zweifel die berühmteste Marke der Welt. Über den Ursprung des Namens gibt es übrigens keine Klarheit. Eine Theorie ist, dass es sich um einen Zusammenzug des Wortes "horloges d'excellence" (Uhrwerke der Top-Qualität) handelt.

 

 

12:30

China ist an der Baselworld allgegenwärtig: Die LVMH-Marke Tag Heuer - mit Schweizer und Luxemburger Wurzeln - ehrt den wichtigsten Exportmarkt für Schweizer Uhren mit Technik.

 

11:20

Dass sich die Zahl der Aussteller von 1300 auf 700 halbierte, ist der Messekonzern MCH Group angekreidet worden. An der Börse findet das Unternehmen schon seit längerem wenig Freunde: Seit Anfang 2017 ist der Kurs um gut ein Drittel gesunken. Vor zwei Tagen hat das Unternehmen nach einem Jahresverlust die Dividende gestrichen.

Die Swatch Group hingegen, einer der wichtigsten Aussteller in Basel, hat wie Konkurrent Richemont an der Börse seit Anfang 2017 um 30 Prozent zugelegt, was die Erholung der Branche spiegelt. Richemont mit den wichtigsten Uhrenmarken IWC, Cartier, Jaeger LeCoultre und Montblanc stellt an der Baselworld allerdings nicht aus.

Dafür ist LVMH mit den Marken Tag Heuer, Hublot und Zenith ein Schwergewicht an der Messe: Der Aktienkurs des französischen Luxusgüterherstellers ist seit Anfang 2017 um 40 Prozent gestiegen.

10:30

Zur Einstimmung ein paar Neuheiten:

Omega hat einen Klassiker renoviert. Die "Seamaster Diver 300" gibt es seit 1993. Die Taucheruhr wurde zwei Jahre später von Pierce Brosnan getragen, als er in "Goldeneye" James Bond spielte. Omega, eine Marke der Swatch Group, stellt an der Baselworld 2018 das Modell zum 25-Jahr-Jubiläum neu auch in einer Stahl-Gold-Ausführung mit verschiedenen Armbändern vor. Das Ziel ist klar: Man will dem Konkurrenten Rolex mit der legendären Submariner etwas entgegensetzen.

Bei Breitling zeigen sich sichbare Veränderungen: Der mythische "Navitimer" wurde neu gestaltet und wird nun in einer schlankeren Version angeboten. Die abgebildeten Versionen sind nur 41 Millimeter gross, gegenüber den traditionellen Modellen, die häufig 46 oder 48 Millimeter grosse Lünetten hatten.

Der Hersteller aus Grenchen war bisher eher vor grosse und schwere Uhren bekannt, vor allem mit Anleihen an die Fliegerei. Dies aber ist ein Grund, weswegen Breitling im wichtigen chinesischen Markt bisher eine untergeordnete Rolle spielt. Die soll sich wohl ändern.

Bei der Breitling-Produktoffensive dürfte auch die Handschrift der neuen Besitzer zu erkennen sein.  Das traditionsreiche Unternehmen mit Wurzlen im Berner Jura wurde vor knapp einem Jahr vom Finanzinvestor CVC übernommen.

09:50

Die Basler Messe füllt sich langsam mit Besuchern.

 

 

09:00

Die Baselworld 2018 öffnet die Tore. Ganz ungetrübt ist die Stimmung nicht. Nur 700 statt wie letztes Mal 1300 Aussteller präsentieren dieses Jahr ihre Uhren in den Messehallen auf der Kleinbasler Rheinseite. Als Grund werden hohe Standmieten genannt. Der Messebetreiber MCH Group ist dafür in die Kritik gekommen.

Dafür ist die Branche (fast) wieder in Champagnerlaune. 2017 erwies sich als wesentlich besseres Jahr für die Schweizer Uhrenindustrie als 2016. Die Uhrenexporte stiegen im vergangenen Jahr um nominal 2,7 Prozent auf  fast 20 Milliarden Franken, real ergab sich ein Plus von 1 Prozent. Auch die ersten Monate 2018 liefen gut. Die 2015 und 2016 herrschende Krisenstimmung verfliegt.