Der Chemieriese BASF hält trotz der massiven Unsicherheiten durch den Nahost-Krieg an seinen Jahreszielen fest und treibt zugleich seinen tiefgreifenden Konzernumbau voran. «Es wird nicht mehr so wie früher. ‌Abwarten ist ⁠keine Option», sagte Vorstandschef Markus Kamieth am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Mannheim. Die Weltwirtschaft erlebe fundamentale Umbrüche, auf die BASF mit weniger Komplexität und mehr Effizienz ⁠reagieren müsse. Dass der Konzern Krisen abfedern kann, zeigte sich bei der Vorlage der Quartalszahlen. «Wir sehen, dass sich die Widerstandsfähigkeit, die wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, nun auszahlt», erklärte Finanzchef Dirk ‌Elvermann. BASF profitiere von seiner globalen Aufstellung und lokalen Lieferketten, Lieferengpässe seien bislang nicht zu sehen.

Negative Währungseffekte und ‌niedrigere Preise drückten den bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) im ersten Quartal zwar um 5,6 Prozent ​auf 2,36 Milliarden Euro. Damit übertraf BASF jedoch die Analystenerwartungen von rund 2,19 Milliarden Euro. Der Umsatz fiel um rund drei Prozent auf 16,02 Milliarden Euro.

«Wir sind optimistisch für das zweite Quartal. Wir sehen in vielen unserer Geschäftsbereiche eine Preissetzungsmacht, die sich nun entfalten wird», sagte Elvermann. Die Produktversorgung sei gesichert. Für 2026 bekräftigte der Vorstand die Prognose eines bereinigten operativen Gewinns von 6,2 bis 7,0 (2025: 6,6) Milliarden Euro. Zwar hielt BASF an seinen Annahmen zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen fest, ‌räumte aber ein, dass sich diese als zu optimistisch erweisen könnten. Wegen der Krise im Nahen Osten und der unklaren Nachfrageentwicklung stehe vor allem hinter der zweiten Jahreshälfte ein Fragezeichen.

Ölpreis als Unsicherheitsfaktor

Besonders deutlich zeigt sich die Unsicherheit beim Ölpreis. BASF kalkuliert für 2026 unverändert mit einem Brent-Preis von durchschnittlich 65 Dollar je Barrel, obwohl ​das Nordseeöl am Donnerstag zeitweise um bis zu sieben Prozent auf 126,41 Dollar stieg. Gegen solche Risiken sichert sich der ​Ludwigshafener Konzern teilweise mit Finanzinstrumenten ab. Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV hob seine Preisannahmen für ​das Gesamtjahr bereits deutlich auf 85 bis 95 Dollar je Barrel an.

Mit dem 2024 angestossenen Konzernumbau will Kamieth den Chemieriesen stärker auf die Kerngeschäfte fokussieren, die eng in den BASF-Produktionsverbund eingebunden sind. Das ‌Geschäft mit Fahrzeuglacken geht für 7,7 Milliarden Euro mehrheitlich an den Finanzinvestor Carlyle. Für die Agrarsparte strebt Kamieth einen Börsengang an. «Wir konzentrieren uns derzeit voll darauf, bis 2027 die Börsenreife vorzubereiten», bekräftigte der Manager. Unter den Aktionären stiess der Kurs auf geteiltes Echo. Deka-Vertreter Linus Vogel kritisierte den Verkauf verlässlicher Einnahmequellen und fragte, wie BASF künftig ​dastehe, «wenn zwei bedeutende ​Cash-Cows aus dem Stall geführt werden». Noch schärfer formulierte es Union-Investment-Sprecherin Vanda Rothacker: «Die BASF schrumpft ⁠sich in Europa gesund, um in Asien wachsen zu können.»

Kritik von Investoren an BASFs Haltung ​zum europäischen Emissionshandel (ETS) wies Kamieth zurück. Er ⁠bekenne sich grundsätzlich zum ETS, nannte es in seiner jetzigen Form aber «aus der Zeit gefallen». Ohne Reformen drohe die Abwanderung energieintensiver Industrien. «Die grüne Transformation kann nur gelingen, ‌wenn am Ende die Wirtschaftlichkeit gegeben ist.» Für Europa zeichnete Kamieth zugleich ein düsteres Bild: Für die kommenden Jahre gehe BASF von einem sehr geringen Wachstum der europäischen Chemieindustrie aus. «Der Restrukturierungsdruck in der europäischen Chemieindustrie wird nicht verschwinden.» Daher arbeite das Unternehmen kontinuierlich an der ‌Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit und sei bei den Kostensenkungen «noch nicht am Ende».

Am Stammsitz in Ludwigshafen fielen seit Anfang 2024 bereits rund ​2800 Stellen weg. Bestimmte Finanz- und Personaldienstleistungen sollen künftig verstärkt aus Indien erbracht werden. Vorstandsmitglied Katja Scharpwinkel versuchte, Sorgen vor einem Ausverkauf des Stammsitzes zu zerstreuen: «Ich kann bestätigen, dass es aktuell keine weiteren Planungen für Schliessungen oder Verkäufe wesentlicher verbundrelevanter Kapazitäten in Ludwigshafen gibt.» Zugleich investiere BASF jährlich mindestens 1,5 Milliarden Euro in den Standort in Rheinland-Pfalz. Kamieth verteidigte zugleich ‌die Milliardeninvestitionen in den neuen chinesischen Verbundstandort Zhanjiang als ​strategisch notwendig, um am Wachstum des weltgrössten Chemiemarktes teilzuhaben. «Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit entstehen nicht durch Rückzug.»

(Reuters)