Der Chemiekonzern Bayer steht einem Agenturbericht zufolge im milliardenschweren Rechtsstreit um mutmassliche Krebsrisiken seines Unkrautvernichters Glyphosat kurz vor einem Befreiungsschlag in den USA. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern wolle 10,5 Milliarden Dollar bereitstellen, um aktuelle und künftige Klagen wegen des Unkrautvernichters Roundup beizulegen, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen am Dienstag. Der Plan sehe vor, insgesamt 7,5 Milliarden Dollarfür einen Vergleich im US-Bundesstaat Missouri zu zahlen.
Damit sollten bereits eingereichte sowie mögliche künftige Klagen über einen Zeitraum von 20 Jahren abgedeckt werden. Weitere drei Milliarden Dollar seien für die Beilegung bestehender Fälle vorgesehen, in denen Kläger das Herbizid für ihre Krebserkrankungen verantwortlich machten. Von Bayer lag zunächst keine Stellungnahme vor. Die Aktien des Leverkusener Konzerns legten rund sechs Prozent zu und führten die Gewinnerliste im Dax an.
Bayer hatte sich mit der rund 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto 2018 eine Klagewelle ins Haus geholt. Der Konzern hat seither rund zehn Milliarden Dollar für Vergleiche gezahlt und für die zuletzt etwa 65.000 offenen Verfahren Rückstellungen von knapp sieben Milliarden Euro gebildet. Die Vorwürfe gegen Glyphosat hat Bayer stets zurückgewiesen und verweist auf umfangreiche Studien sowie Bewertungen von Regulierungsbehörden wie der EPA. Demgegenüber steht die Einschätzung der Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation, die den Wirkstoff 2015 als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft hatte. Darauf stützen sich die Kläger. Um die Risiken zu senken, stoppte Bayer den Verkauf glyphosathaltiger Produkte an US-Privatkunden bereits 2023.
(Reuters)

