«Wir sind noch mitten in unserem Turnaround. Alle strategischen Prioritäten sind entscheidend vorangebracht worden, aber keine ist abgeschlossen», erklärte Anderson in seinem am Montag vorab veröffentlichten Redetext für die Hauptversammlung am Freitag. Man habe grosse Fortschritte gemacht, sei aber noch lange nicht am Ziel, bekräftigte er. In den kommenden Monaten stünden wichtige Entscheidungen und Meilensteine an. Der Konzernchef verwies zugleich auf die bisherigen Erfolge: «Nach zwei Jahren ist kein Bereich bei Bayer mehr so, wie er war. Das Unternehmen ist schlanker und schneller geworden.» Seit Beginn der Neuausrichtung fielen rund 14.000 Stellen weg, allein im vergangenen Jahr waren es gut 4700.
In den USA sieht sich Bayer weiterhin mit milliardenschweren Klagen wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Unkrautvernichters Glyphosat konfrontiert. Anderson verwies auf eine Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof der USA, die für den Montag nach der Hauptversammlung angesetzt ist. Vor dem Supreme Court geht es um die grundsätzliche Frage, ob Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise nach einzelstaatlichem Recht zulässig sind, obwohl die US-Umweltbehörde EPA entsprechende Warnungen nicht erlaubt. Ein Urteil zugunsten von Bayer könnte einen Befreiungsschlag bedeuten. Parallel hat der Konzern im Februar einen neuen Sammelvergleich über bis zu 7,25 Milliarden Dollar auf den Weg gebracht, um aktuelle und künftige Klagen beizulegen. Anderson bekräftigte, dass Bayer an einer mehrgleisigen Strategie zur Eindämmung der Rechtsstreitigkeiten arbeite und für alle Szenarien vorbereitet sei.
Weiterhin höchste Priorität hätten zudem der Abbau der Schulden und die Stärkung des Barmittelzuflusses. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte sich der Nettoverlust des Konzerns wegen der hohen Rückstellungen für Rechtsfälle auf 3,62 Milliarden Euro ausgeweitet. Daher schlägt der Vorstand für 2025 erneut vor, nur das gesetzliche Minimum an Dividende von elf Cent je Aktie auszuzahlen. Operativ sieht Anderson den Konzern derweil auf Kurs. In der Pharmasparte, die zuletzt unter Patentabläufen litt, entwickelten sich die neuen Medikamente vielversprechend. «Vor zwei Jahren gab es da noch einige Fragezeichen», erklärte Anderson mit Blick auf die Medikamenten-Pipeline. «Heute ist die Arbeit daran zwar noch nicht beendet, aber wir sehen schon Ausrufezeichen.»
(Reuters)

