Ein US-Bundesrichter lehnte am Mittwoch den Versuch von Kritikern ab, den von Bayer vorgeschlagenen Sammelvergleich über bis zu 7,25 Milliarden Dollar an ein Bundesgericht zu ziehen. Stattdessen verwies Richter Henry Edward Autrey das Verfahren zurück an das zuständige Gericht im Bundesstaat Missouri und gab damit Anträgen von Bayer und Klägern statt. Nach US-Recht könne nur Bayer als tatsächlich beklagte Partei eine Verlegung beantragen, begründete Autrey seine Entscheidung. Die Bayer-Aktie ging mit einem Plus von knapp fünf Prozent aus dem Handel.
Bayer begrüsste den Beschluss. Die Entscheidung schaffe die dringend benötigte Klarheit für alle Beteiligten und ermögliche die Fortsetzung des Genehmigungsverfahrens vor dem zuständigen Gericht in St. Louis, teilte der Konzern mit. Dort sind die allermeisten Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittels Roundup von Bayer anhängig. Ein Verfahren vor einem speziellen US-Bundesrichtergremium (JPML) sei damit hinfällig. Die Bayer-Tochter Monsanto sei weiterhin überzeugt, dass der Sammelvergleich für alle Parteien fair sei.
Bayer hatte im Februar einen neuen Sammelvergleich zur Beilegung aktueller und künftiger Klagen angekündigt, der Zahlungen von bis zu 7,25 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren vorsieht. Das Gericht in Missouri hatte dem Vorhaben im März vorläufig zugestimmt und eine abschliessende Anhörung für den 9. Juli angesetzt. Der Zeitplan war Ende Mai jedoch ins Wanken geraten. Anwälte einiger Krebspatienten, die ihre Erkrankung auf die Nutzung des glyphosathaltigen Mittels von Bayer zurückführen, hatten die Verlegung an ein Bundesgericht im kalifornischen San Francisco beantragt. Sie kritisierten den geplanten Vergleich als Ergebnis einer geheimen Absprache zwischen Bayer und den Klägeranwälten.
Der Fall drohte damit bei US-Bezirksrichter Vince Chhabria zu landen, der auf Bundesebene Klagen bündelt und sich zuletzt äusserst kritisch über den in Missouri ausgehandelten Vergleich geäussert hatte. An ihm war im Jahr 2021 ein erster Versuch Bayers gescheitert, einen Vergleich für den Umgang mit künftigen Klagen zu schliessen. Die Sorge vor einer juristischen Hängepartie in Kalifornien hatte die Bayer-Aktie Anfang Juni zeitweise schwer belastet.
Trotz des aktuellen Etappensiegs warnte Jefferies-Analyst Michael Leuchten, dass der Weg zu einer endgültigen Einigung alles andere als reibungslos sei. So bleibe abzuwarten, ob bis zu der Anhörung im Juli Klarheit darüber herrsche, wie viele Kläger den Vergleich letztlich ablehnen. Der Dreh- und Angelpunkt für Bayer bleibt dem Experten zufolge der Oberste Gerichtshof der USA. Eine Entscheidung des Supreme Court in dem milliardenschweren Glyphosat-Streit wird bis Ende Juni erwartet. Der Ausgang gilt Leuchten als völlig offen, da sich die Richter bei einer Anhörung im April uneins gezeigt hatten. Ein Urteil zugunsten des Leverkusener Pharma- und Agrarkonzerns könnte für Bayer einen Befreiungsschlag in der jahrelangen Klagewelle bedeuten. Diese hatte sich der Konzern 2018 mit der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto eingehandelt.
(Reuters)

