Die Bayer-Aktie stieg am Donnerstagnachmittag um 17 Prozent und baute ihr Jahresplus auf 24 Prozent aus. Die Titel kosteten gestern nach Börsenschluss 47 Euro, nachdem sie am Vortag noch bei 39 Euro in den Handel gestartet waren.

Am Freitag kann der Konzern die Gewinne zuerst nicht ganz halten, notiert aber eine Stunde nach Eröffnung doch 0,7 Prozent im Plus. Mit dem jetzigen Preis von 46,79 Euro nähern sich die Aktien auch der vielfach angesprochenen 50-Euro-Marke und notieren auf einem Niveau, das sie im Februar letztmals erreicht haben.

Auslöser des Kurssprungs ist ein wichtiger Erfolg des deutschen Konzerns in den milliardenschweren Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten in den USA. Der Supreme Court entschied, dass die Zulassungsvorgaben von US-Bundesbehörden Vorrang vor den Gesetzen einzelner Bundesstaaten haben. Damit verlieren zahlreiche Klagen gegen Bayer wegen angeblich fehlender Krebswarnhinweise auf glyphosathaltigen Produkten ihre rechtliche Grundlage.

Bayer verweist darauf, dass die US-Umweltschutzbehörde (EPA) Glyphosat nicht als krebserregend einstuft und zusätzliche Warnhinweise daher nicht zulässig seien. Das Unternehmen erwartet, dass viele laufende Klagen abgewiesen und neue verhindert werden. Das bedeutet zwar nicht, dass Bayer sämtliche Rechtsrisiken bewältigt hat, dennoch werten Anleger die Entscheidung als deutliche Entlastung.

Auslöser des Grundsatzurteils war der Fall des Klägers John Durnell. Ihm waren im Oktober 2023 in St. Louis zunächst 1,25 Millionen US-Dollar zugesprochen worden, weil die Geschworenen Bayer zu einer Krebswarnung auf dem Unkrautvernichter Roundup verpflichtet sahen. Bayer zog den Fall anschliessend vor den Supreme Court, um eine Grundsatzentscheidung zu erwirken.

Analyst James Quigley von Goldman Sachs sieht in der Entscheidung einen grossen Schritt, um eine Dekade der Rechtsrisiken im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter zu beenden. Das dürfte entscheidend sein, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Denn gemäss dem Analysten von Barclays wollen viele Anleger das Thema erst endgültig vom Tisch haben, bevor sie wieder in Bayer investieren. 

Aisha Gutknecht arbeitet seit Juli 2024 als Redaktorin für cash.ch.
Aisha GutknechtMehr erfahren