Bei Goldhändlern herrscht tote Hose

Der massive Goldpreiszerfall hat bei den Goldhändlern zu einer deutlichen Marktbereinigung geführt. Die Umsätze haben sich teilweise halbiert. Die Aussichten bleiben mau.
29.07.2013 01:00
Von Frédéric Papp
Der Handel mit Altgold ist deutlich eingebrochen.
Der Handel mit Altgold ist deutlich eingebrochen.
Bild: iNg

In den ersten sechs Monaten des Jahres hatte der Goldpreis um über 30 Prozent auf  bis zu 1182 Dollar pro Unze korrigiert. Trotz der jüngsten Erholung der Goldnotierungen hinterlässt der Preiszerfall dennoch tiefe Spuren in den Geschäftszahlen der Goldhändler.

"Im Goldmarkt herrscht tote Hose", sagt Fabio Luraschi, Geschäftsführer bei der Altgold- und Münzenhandlung Erwin Dietrich in Zürich zu cash. "Im ersten Halbjahr ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent eingebrochen."

Noch härter traf es Händler, die sich ausschliesslich auf den Ankauf von Altgold spezialisiert haben: "Ich weiss von Geschäften, die Umsatzeinbussen von bis zu 80 Prozent hinnehmen mussten. Nicht wenige waren deswegen gezwungen, ihren Laden dichtzumachen", so Luraschi.

Weniger schlimm hat es die Luxusbörse Zürich getroffen, die gemäss eigenen Angaben zwischen Januar und Juni einen Umsatzschwund von gegen 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr hinnehmen musste. Der Grund dafür sieht Mitinhaber Dominik Obrist darin, dass viele mit dem Verkauf ihres Altgoldes noch zu warten - in der Hoffnung, dass der Preis wieder steigt.  Bei den Kunden hingegen, die unbedingt Cash benötigen, spielt der Goldpreis nach seinen Aussagen kaum eine Rolle. "Dies ist etwa bei 50 Prozent unserer Kundschaft der Fall", sagt Obrist.

Gesunde Marktkonsolidierung

Dass mittlerweile immer weniger Menschen bereit sind, ihren Goldschmuck zu verkaufen zeigt eine aktuelle Studie des World Gold Council, der Interessensvertretung der Goldbranche, auf. Diese prognostiziert ein Rückgang des Altgoldangebots in diesem Jahr um 25 Prozent. Zwischen 300 bis 400 Tonnen weniger Gold könnten so in den Markt gelangen.

Diese Entwicklung hat aber für Luraschi auch etwas Gutes an sich: "Der Markt wird so von unseriösen Altgoldhändlern gesäubert", sagt er. Als Gold vor rund zwei Jahren Rekordmarken erzielte, ist ein regelrechter Goldrausch ausgebrochen. Viele Besitzer von geerbtem Goldschmuck oder Golduhren packten die Gelegenheit beim Schopf und verkauften zu einem vermeintlich attraktiven Preis. Einige sind dabei von dubiosen Händlern über den Tisch gezogen worden.

Stabiler Goldvreneli-Handel

Für Händler, die neben dem Ankauf von Altgold noch einen Münz- oder Uhrenhandel betreiben, ist die Lage weniger dramatisch. "Viele haben ihre Goldvrenelis verkauft mit der Angst, der Goldpreis könnte noch stärker fallen. Andere wiederum nutzen die tiefen Kurse für Zukäufe", stellt Luraschi fest.

Auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB) bestätigt, dass in den vergangenen Monaten keine Veränderung im Goldvreneli-An- und Verkauf festgestellt worden sei. Der Handel habe sich im üblichen Rahmen bewegt, sagt ZKB-Sprecherin Evelyne Brönnimann auf Anfrage von cash.

Die Luxusbörse Zürich betreibt zwar keinen Münzhandel, dafür aber einen laut Obrist lukrativen Occasionshandel mit Luxusuhren. Dank dieser zusätzlichen Sparte konnte der Umsatzschwund im Altgoldhandel mehr als wettgemacht werden, so Obrist.

Marktumfeld für Gold bleibt schwierig  

Trotz der jüngsten Erholung spricht für eine nachhaltige Aufwärtsbewegung des Goldes vorderhand wenig. Immer mehr Investoren wenden sich vom Edelmetall ab. Das zeigen die jüngsten Zahlen bei börsenkotierten Indexfonds, die in physisches Gold investieren. Allein im Juni sind weltweit 4,1 Milliarden Dollar abgezogen worden.

Gestützt vom positiven Trend am US-Arbeitsmarkt und dem daraus resultierenden drohenden Ende der lockeren Geldpolitik zeigt sich der Dollar gegenüber den Hauptwährungen wie Euro, Yen oder Franken wieder stärker. Für Anleger aus Ländern, in denen nicht mit Dollar bezahlt wird, verteuerte sich dadurch der Kauf von Edelmetallen.

Altgoldhändler müssen somit mit weiter stagnierenden bis rückläufigen Umsätzen rechnen. Mit einer leichten Belebung des Geschäfts könne erst ab einem Goldpreis von 42'000 Franken das Kilo gerechnet werden, schätzt Obrist. Das entspricht einem Unzenpreis von 1400 Dollar.