Unsicherheiten über die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf Softwareunternehmen sowie die Folgen des Iran-Kriegs haben die Informationstechnologie-Werte seit ihrem Allzeithoch im Oktober um 13 Prozent fallen lassen. In dieser Zeit beschleunigten sich jedoch die Gewinnschätzungen für den Sektor, sodass das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf 20,6 stieg – fast auf gleicher Höhe mit dem KGV des S&P 500 (19,6).
«Für Anlegerinnen und Anleger mit einem mehrjährigen Anlagehorizont ist dies ein attraktiver Einstiegszeitpunkt», schrieb der erfahrene US-Stratege Ed Yardeni in einer Kundenmitteilung am Sonntag.
Der S&P 500 Information Technology Index schloss am Montag 0,5 Prozent höher und verlängerte damit seine Gewinnserie auf vier Tage – die längste seit Ende Januar. Dennoch liegt der Sektor seit Jahresbeginn noch 7,1 Prozent im Minus, belastet durch Sorgen über hohe Bewertungen, Ängste vor KI-bedingten Störungen in der Softwarebranche und eine zunehmend risikoscheue Marktstimmung.
Der Informationstechnologie-Sektor sowie Kommunikationsdienste machen den Grossteil der Marktkapitalisierung des S&P 500 aus. Yardeni wies darauf hin, dass dieser Anteil sogar den Höhepunkt der Dotcom-Ära übertrifft. Zwar könnte dieser Vergleich bei manchen Anlegern Nervosität auslösen, doch gebe es heute «mehr Gewinnunterstützung» für die hohe Konzentration als vor über 26 Jahren.
«Heute liegt der anteilige Gewinnausblick der beiden Sektoren bei 42,0 Prozent – nur 1,6 Prozentpunkte über ihrem Marktkapitalisierungsanteil», erklärte Yardeni. «Während der Dotcom-Blase betrug die Lücke zwischen Marktkapitalisierungs- und Gewinnanteil über 15 Prozentpunkte. Die heutige Konzentration ist vollkommen gerechtfertigt.»
Stimmungswechsel
Yardeni ist nicht der Einzige, der Technologieaktien als attraktiv bewertet ansieht. Auch das Wells Fargo Investment Institute änderte seine Einschätzung für den Sektor von «neutral» auf «positiv» und begründete dies mit der Unterperformance gegenüber dem S&P 500 sowie der nachhaltigen Wachstumsaussicht, die durch den KI-Ausbau gestützt wird.
Das globale Investmentstrategen-Team des Instituts betonte, dass der IT-Sektor trotz Bedenken hinsichtlich Bewertungen, Kapitalausgaben und KI-Disruption weiterhin starke Fundamentaldaten zeige. Als Beispiel nannte man das zweistellige Gewinnwachstum im vierten Quartal.
Die Strategen wiesen zudem darauf hin, dass der IT-Sektor den S&P 500 seit Beginn des US-Iran-Kriegs übertreffen konnte – ein Beleg für sein strukturelles Wachstum und seine Qualitätsmerkmale.
«Der allmähliche Rückgang der letzten Monate hat die Bewertungen auf ein attraktiveres Niveau gebracht, und wir glauben, dass die pessimistische Stimmung um den Sektor übertrieben ist», so die Strategen.
(Bloomberg/cash)
