Der Verpackungsspezialist SIG Group wusste mit den vorgelegten Quartalszahlen am Dienstag die Anlegerinnen und Anleger zu überzeugen. Die Aktien ziehen bis am Dienstagmittag um 10,2 Prozent auf 12,13 Franken an, während der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Performance Index (SPI) 0,6 Prozent verliert.
Der Umsatz beim Verpackungsspezialisten aus Schaffhausen sank im ersten Quartal 2026 wie erwartet um 4,2 Prozent auf 714 Millionen Euro. Bereinigt um Währungseinflüsse und die Preisentwicklung von Kunststoff nahm der Umsatz allerdings nur um 0,2 Prozent ab, während Analysten mit einem stärkeren Rückgang von 1,7 Prozent gerechnet hatten. Für gute Stimmung an der Börse sorgte die bereinigte Marge auf dem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit). Diese stieg überraschend auf 13,4 von 12,8 Prozent im Vorjahr.
SIG startete mit einem flachen Wachstum ins Jahr, das deutlich über den Erwartungen lag, betont Analyst Manuel Lang von Vontobel in einer Kundennotiz am Dienstag. «Das Kerngeschäft mit aseptischen Kartonverpackungen entwickelt sich weiterhin gut, und wir sehen die operativen Verbesserungen als ermutigend an.»
Obwohl sich die Vergleichsbasis für den Umsatz ab dem zweiten Quartal entspannt, werde der neue CEO Mikko Keto wahrscheinlich steigende Rohstoff- und Logistikkosten bewältigen müssen. Lang von Vontobel glaubt, dass die Equity Story weiterhin von der Umsetzung der angekündigten Portfoliobereinigung abhänge, während die vorteilhaften Rohstoffpreise der Vergangenheit einen neuen Gegenwind erzeugen. Der Vontobel-Analyst vergibt ein Rating «Hold» mit einem Kursziel von 13,50 Franken.
Joern Iffert, Analyst bei der UBS, weist in einer Studie vom Montag ebenfalls darauf hin, dass stark steigende Rohstoffpreise ein Risiko für die kurzfristigen Margen des Unternehmens darstellen. Es sei jedoch wichtig zu verstehen, dass SIG über die Preissetzungsmacht verfüge, diese aber mit einer gewissen Verzögerung wirke. Aufgrund der Vertragsstrukturen verhandelt SIG die durchschnittlichen Verkaufspreise mit den Kunden nur einmal jährlich – üblicherweise zum Jahresende.
Positiv sei so der UBS-Experte, dass das Unternehmen steigende Rohstoffkosten in der Vergangenheit weitergeben und so die Margen mit einer Verzögerung von sechs bis zwölf Monaten wiederherstellen konnte. Die Schweizer Grossbank stuft die Valoren mit «Buy» und einem Kursziel von 15 Franken ein.
Alle Augen auf den CEO gerichtet
Der neue Konzernchef Mikko Keto übernahm Anfang März die Firma, welche ein Jahr vollgepackt mit Restrukturierungen hinter sich hatte. Das Unternehmen agierte in der Vergangenheit bei Übernahmen wenig erfolgreich. SIG schloss deshalb unter dem Verwaltungsratspräsidenten Ola Rollén ein Transformationsprogramm an, das im Jahr 2025 mit Einmalkosten von 351 Millionen Euro zu Buche schlug. Der grösste Teil davon entfiel auf Wertberichtigungen. Das Schaffhauser Unternehmen rutschte entsprechend in die roten Zahlen ab und strich die Dividende ersatzlos. Nicht zuletzt deshalb musste der langjährige CEO Samuel Sigrist das Unternehmen im vergangenen August per sofort verlassen, da er seine Ziele mehrfach verfehlt hatte.
Der neue CEO Keto wird über die nächsten zwei Jahre den Beweis erbringen müssen, das Unternehmen erfolgreich durch die aktuellen Turbulenzen des Irankriegs mit steigenden Rohstoffpreisen zu führen. Zudem geht es darum, das Portfolio weiter zu verschlanken und sich auf margenträchtigere Geschäftsfelder zu fokussieren.
Der ZKB-Analyst Yannick Ryf nimmt den letzteren Punkt in seiner Beurteilung vom Dienstag auf. Er begrüsste die verstärkte strategische Ausrichtung von SIG auf das aseptische Kartongeschäft. Dem gegenüber steht der Analyst der Strategie bezüglich Bag-in-Box und Standbeutelverpackungen weiterhin eher kritisch gegenüber und verweist auf den Umsatzrückgang von 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Kommt die Dividende nach dem Turnaround zurück?
Inwiefern der Turnaround beziehungsweise die Rückkehr zur alten Stärke gelingt, hängt insbesondere von der Umsetzung durch das Management, angeführt vom neuen CEO Mikko Keto, und der künftigen Kapitalallokation ab, schreibt der ZKB-Analyst weiter. Angesichts der verhaltenen operativen Entwicklung in den vergangenen Jahren, des laufenden Rechtsstreits mit dem Aktionär Laurens Last – hierzu gab SIG kein Update – und der unerfreulichen Kapitalallokation in den vergangenen Jahren ist SIG mit einem adjustierten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17x fair bewertet, so die Konklusion des ZKB-Experten. Das Rating lautet weiterhin «Marktgewichten».
Die Analysten zeigen sich insgesamt zu SIG weiterhin optimistisch. Diese stufen den Titel achtmal mit «Kaufen» und siebenmal mit «Halten» ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 13,60 Franken, was einem Kurspotenzial von gut 12 Prozent entspricht.
Wer die Aktie im letzten Herbst zu Ausverkaufspreisen von acht Franken erworben hat, kann sieben Monate auf ein Kursplus von 50 Prozent zurückblicken. Die künftigen Kursavancen dürften vorerst geringer ausfallen, da die Neuausrichtung Zeit in Anspruch nehmen wird.
Eine weitere Baustelle ist die Dividende, welche letztes Jahr ausgesetzt wurde. Sollte es SIG gelingen, den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im laufenden Jahr wie von den Analysten zu verbessern, dürfte Ende Jahr ein feier Cashflow von 216 Millionen Franken zur Verfügung stehen. Dies würde die Wiederaufnahme von Dividendenauszahlungen zulassen.

