Die Genussscheine von Lindt&Sprüngli geben am Freitag nach Handelseröffnung um 1,4 Prozent auf 12’620 Franken nach, während der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Performance Index (SPI) um 0,66 Prozent anzieht. Seit Jahresbeginn haben die Titel des Premium-Schokoladeproduzenten um 10,4 Prozent zugelegt.
Auslöser für die Kursverluste war die Bank Berenberg. Die Analysten um Matthew Abraham haben in einer Branchenstudie die Auswirkungen von Abnehmmitteln auf das Konsumverhalten untersucht. Gerade das Schokoladengeschäft gerate durch die zunehmende Verbreitung von GLP-1-Medikamenten zur Gewichtsreduktion unter Druck, so die Konklusion der Experten des deutschen Vermögensverwalters.
Berenberg senkte das Rating für die Namenaktie von Lindt & Sprüngli sowie für den Partizipationsschein auf «Sell» von «Hold» und reduzierte die Kursziele auf 108'770 von 114'490 Franken beziehungsweise auf 10'877 von 11'450 Franken. Zwar könne die Premiumpositionierung des Schokoladenherstellers einen Teil des Gegenwinds abfedern. Dies reiche jedoch nicht aus, um die erwarteten Volumenrückgänge zu kompensieren.
Entsprechend senkte der Analyst seine Prognosen für das organische Mengenwachstum ab 2027, insbesondere in Nordamerika, wo Lindt & Sprüngli einen bedeutenden Umsatzanteil erziele. Dies birgt Risiken für die mittelfristigen Wachstumsziele des Unternehmens. Zudem seien die beiden Titel laut Abraham im historischen Vergleich anspruchsvoll bewertet.
Lindt veröffentlicht die Jahreszahlen am 10. März.
Bei Barry Callebaut reduzierte Berenberg das Kursziel für Barry Callebaut auf 1487 von 1500 Franken. Die Einstufung lautet weiterhin «Hold».
Für 2026/27 erwarten die Berenberg-Analysten einen spürbaren Gegenwind beim Absatzvolumen, insbesondere in Nordamerika. Entsprechend wird die Prognose für das organische Mengenwachstum in den kommenden Jahren gesenkt.
Deutlich optimistischer zeigt sich Berenberg dagegen bei Nestlé. Der Vermögensverwalter erhöhte das Kursziel auf 99 von 92 Franken. Das Rating lautet weiterhin «Buy».
Begründet wird die Kurszielerhöhung mit der breiten Diversifikation der Produktpalette, so dass die GLP-1-Risiken gut beherrschbar seien. 59 Prozent der von Nestlé verkauften Produkte dürften nicht wesentlich betroffen sein, so die Argumentation.
Für 2027 und Folgejahre senkt Berenberg seine Prognose für das Volumenwachstum von Nestlé leicht um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte, vor allem wegen geringerer Erwartungen bei Süsswaren, Fertiggerichten und Getränken. Insgesamt berücksichtigten seine angepassten Schätzungen Wechselkursbelastungen, die Rückrufe von Säuglingsnahrung im ersten Quartal 2026 sowie ab 2027 den erwarteten Effekt einer höheren GLP-1-Verbreitung.
(cash/AWP)
