Analysten zufolge dürfte Novartis auch im vierten Quartal ein solides Wachstum erzielt haben. Gleichzeitig beginnen sich jedoch Nachahmerpräparate - insbesondere für das wichtige Herzmedikament Entresto - bemerkbar zu machen. Das Management hatte diesen Effekt bereits frühzeitig in Aussicht gestellt und darauf hingewiesen, dass sich die Umsatzerosion im Schlussquartal beschleunigen dürfte. Entsprechend genau werden, die elf Analysten, die zum Konsens beigetragen haben, darauf achten, wie stark die Erlöse tatsächlich unter Druck geraten sind.
Demnach erwarten sie im Schnitt einen Gruppenumsatz von 13,69 Milliarden Dollar - eine Steigerung von gut 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr (13,15 Milliarden Dollar). Weiter dürfte Novartis einen Core-Ebit von 4,9 Milliarden Dollar erwirtschaftet haben. Daraus dürfte gemäss den Analysten einen Reingewinn von 3,8 Milliarden resultieren, 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr.
Ferner dürfen Anleger mit nur einem minimal höheren Gewinn pro Aktie rechnen - nämlich plus 0,03 Dollar je Aktie gegenüber dem Vorjahr.
Debatte um US-Medikamentenpreise
Mit der Debatte um Medikamentenpreise in den USA und der mittlerweile getroffenen Einigung zwischen der Regierung und zahlreichen führenden Konzernen wird die künftige Preispolitik der Branche ohne Frage auch bei der Vorlage der Jahreszahlen ein zentrales Thema bleiben.
Gerade der Novartis-Chef Vas Narasimhan hatte recht klar gesagt, dass Regionen wie die EU ins Hintertreffen zu fallen drohen, sollten sich nicht zeitnah etwas an ihren Preismodellen gerade für neue und innovative Medikamente ändern. Von daher dürfte die Frage, was genau dem Manager für die Zukunft vorschwebt, auf Interesse stossen.
Pipeline gibt mögliche Impulse fürs 2026
Bei Novartis ist vor allem die Pipeline wichtig. Wie den zahlreiche Ausblicken der Analysten zu entnehmen ist, erachten sie Wirkstoffkandidaten wie Remibrutinib bei Multipler Sklerose oder auch in der Behandlung einer bestimmten Form von Nesselsucht als spannend. Auch Abelacimab steht bei den Experten als ein wichtiger Datenpunkt auf der Agenda. Das Mittel wird zur Prävention von Schlaganfällen getestet.
Die Pipeline ist aber noch aus einem anderen Grund wichtig: Bei Novartis laufen in den kommenden Jahren Patente für weitere wichtige Medikamente aus. Manche Analysten sprechen denn auch von einer vergleichsweise grossen Patent-Klippe, auf die der Konzern zusteuere. Um dramatische Umsatz-Ausfälle zu verhindern, müssen also neue erfolgreiche Produkte auf den Markt.
Vor diesem Hintergrund hatte Novartis im Herbst denn auch die Übernahme des US-Unternehmens Avidity angekündigt. Mit einem Preis von 12 Milliarden US-Dollar ist dies der grösste Zukauf seit Jahren gewesen. Das US-Unternehmen verfügt über eine Produktepipeline im frühen oder mittleren klinischen Untersuchungsstadium und ist auf seltene genetische Krankheiten wie etwa Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) spezialisiert.
Umsatzwachstum und bestätigte Ziele
Zehn Quartale in Folge hatte Novartis die eigenen Ziele jeweils übertroffen und dann die Guidance angepasst. Ende Oktober wurde dieser Trend dann unterbrochen und der Basler Konzern bestätigte die zuvor ausgegeben Ziele. Demnach peilt das Management zu konstanten Wechselkursen ein Umsatz-Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich an. Für den operativen Kerngewinn stellt es ein Plus im tiefen Zehnerbereich in Aussicht.
Auch die Mittelfristziele hatte Novartis zuletzt bekräftigt. Demnach sollen die Netto-Umsätze 2025 bis 2030 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 5 bis 6 Prozent zu konstanten Wechselkursen steigen, dies bei einer Rückkehr zu einer Kernmarge von über 40 Prozent.
Novartis-Aktie auf Favoritenliste
Die Novartis-Titel gehören mit einem Plus von rund 5 Prozent seit Jahresbeginn zu den Favoriten unter den Blue Chips. Der Leitindex SMI hat sich im selben Zeitraum flach entwickelt. Bereits im vergangenen Jahr entwickelten sich die Papiere überdurchschnittlich.
Am Dienstagnachmittag kostet ein Titel 117 Franken je Stück. Das durchschnittliche Kursziel beläuft sich auf derzeit 113, 21 Franken. Von den zuständigen Analysten vergeben acht ein «Buy»-Rating, elf raten zum Halten und zwei zum Verkaufen.
(cash/AWP)
