Microsoft-Mitgründer Bill Gates sagte der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview, China könnte einer Beschränkung ⁠potenziell gefährlicher KI-Modelle zustimmen, wenn die USA hierbei den ersten Schritt machten. «Die ganze Welt würde da mitziehen.» Sein Sprecher erklärte, das ‌Treffen mit Xi werde für November angepeilt. Das chinesische Aussenministerium reagierte ‌zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Präsident ​Xi «könnte überrascht sein, wie vehement ich bin», sagte Gates.

Während sich der Milliardär im Januar noch optimistischer zum Thema Künstliche Intelligenz geäussert hatte, zeigt er sich nun besorgt, dass KI Angriffe ausführen, Arbeitsplätze vernichten und Nutzer süchtig machen könnte. Eine besondere Gefahr sieht er in einer möglichen Fähigkeit von KI, ‌Moleküle zu erschaffen und biologische Angriffe auszuführen. Staaten sollten das überwachen.

«Oberste Priorität»

Kürzlich hatten KI-Modelle von OpenAI, Anthropic und Meta bei Cybersicherheits-Tests reale Websites gehackt. «Diese Sicherheitsvorfälle sind schockierend, und sie sollten die Leute aufrütteln», sagte ​Gates. Er betonte, wie einzigartig die aktuelle Entwicklung mit KI sei: «In der ​Vergangenheit hat Technologie so etwas nie getan. Dieses Mal ist ​es anders. Dies ist wie ein evolutionärer Meilenstein.» Die Gesellschaft müsse einen Weg finden, das zu regulieren. In einem Blogbeitrag ‌vom Mittwoch forderte er eine neue internationale Organisation zur Verwaltung von KI, ähnlich den Abkommen zu Atomkontrollen oder zum Schutz der Ozonschicht.

Gates gehört zu den grössten privaten Förderern weltweit in den Bereichen Gesundheit, Entwicklungshilfe ​und Bildung. ​Seine Stiftung plant, bis 2045 rund 200 Milliarden ⁠Dollar mit dem Fokus auf KI auszugeben. Die «oberste Priorität der ​Welt» sei es, eine KI-Zukunft ⁠zu schaffen, die Ungleichheit nicht verschärfe. Um soziale Verwerfungen abzufedern, schlug Gates vor, Einnahmen aus KI-generierter ‌Arbeit zu besteuern und bis zu 40 Prozent der Arbeitsplätze für Menschen zu reservieren.

Neben seiner Reise nach China plant Gates in diesem Herbst auch ein Treffen mit ‌dem britischen Premierminister Andy Burnham. Bei all dem technologischen Wandel betonte der Philanthrop ​jedoch auch die Grenzen der Technologie. Mit Blick auf die Pflege, die sein Vater während seiner Alzheimer-Erkrankung erhielt, schrieb Gates in seinem Blog, diese sei «unersetzlich menschlich» gewesen.

(Reuters)