Die Finanzierungsraten für Bitcoin Perpetuals - das sind Zahlungen, die zwischen Long- und Short-Inhabern ausgetauscht werden - bleiben unter null. Dieses bärische Muster signalisiert, dass Händler weiter mit Abwärtsrisiken rechnen oder eine Entschädigung für das Halten von Long-Positionen fordern.
Gleichzeitig hat sich die Anzahl der offenen Kontrakte bei Bitcoin-Perpetual-Futures von dem seit Oktober anhaltenden Rückgang nicht erholt. Das unterstreicht den Mangel an Überzeugung hinter der jüngsten Erholung. Laut Daten von Coinglass liegt das Niveau rund 50 Prozent unter dem Hoch im Oktober 2025.
«Liquidität und Markttiefe haben sich seit dem Absturz vom 10. Oktober 2025 deutlich verringert, was dazu geführt hat, dass Anleger weniger riskante Wetten eingehen und vorsichtiger agieren», sagte Andy Martinez, CEO der Crypto Insights Group. «Ich denke, der Markt versucht immer noch zu begreifen, was seither vorgefallen ist.»
Die verhaltene Reaktion am Derivatemarkt folgt auf eine Phase extremer Volatilität Ende vergangener Woche. Bitcoin fiel am Donnerstag bis auf 60'033 Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2024, bevor am Freitag eine zügige Erholung auf über 70'000 Dollar einsetzte. Am Montag rutschte der Token erneut unter die Marke von 70'000 Dollar, was die Fragilität der Marktstimmung verdeutlicht.
Die Optionsmärkte zeichnen ein ähnliches Bild. Die implizite Volatilität von Bitcoin ist deutlich gesunken - von etwa 83 Prozent am Donnerstag auf derzeit rund 60 Prozent. Das deutet auf geringere Erwartungen an starke kurzfristige Kursschwankungen hin. Die Positionierungskennzahlen bleiben entsprechend defensiv ausgerichtet.
Der 25-Delta-Call-Put-Skew, ein Indikator dafür, ob Angst oder Gier die Optionspreise dominieren, ist weiterhin stark zugunsten von Puts verzerrt und signalisiert eine anhaltende Nachfrage nach Absicherung gegen Kursverluste, erklärte Griffin Ardern, Leiter Research und Optionshandel bei BloFin. «Der Einfluss der Hebelwirkung auf die Marktpreise hat deutlich abgenommen, was dazu beiträgt, die Volatilität zu verringern und die Preise zu stabilisieren», sagte Ardern und fügte hinzu: «Das bedeutet auch, dass viele Anleger Gewinne realisieren oder Verluste auf relativ niedrigem Niveau begrenzen und in Beobachtungspositionen wechseln oder den Markt sogar für eine Weile verlassen.»
Ein Markt, der von bärischer Stimmung dominiert werde, spreche typischerweise eher für eine Phase der Konsolidierung als für eine schnelle Erholung, fügte Ardern von BloFin hinzu. Zur Vorsicht trägt auch ein dicht gefüllter makroökonomischer Kalender bei.
«Obwohl der Markt Ende letzter Woche scheinbar eine Unterstützung gefunden hat, bleiben die Marktteilnehmer aufgrund der Vielzahl potenzieller Marktturbulenzen äusserst vorsichtig», sagte Le Shi, Hongkong- Manager des Market Makers Auros. Er verwies auf Risiken, die von politischen Entwicklungen in Japan über Volatilität bei Edelmetallen bis hin zu Sorgen über die KI-getriebene Aktienrally reichen.
(Bloomberg)
