Bitcoin und Co. - Hat die SIX ihr Kryptoprodukt im falschen Moment aufgelegt?

Einiges Aufsehen hat vor kurzem das bisher weltweit einmalige Krypto-Indexprodukt der Börse SIX erregt. Die Kurse für Bitcoin und Co. purzeln aber munter weiter.
13.12.2018 16:10
Von Marc Forster
Bitcoin, Ethereum und Ripple: Die nach Marktkapitalisierung derzeit drei grössten Kryptowährungen.
Bitcoin, Ethereum und Ripple: Die nach Marktkapitalisierung derzeit drei grössten Kryptowährungen.

Fans von Kryptowährungen und solche, die Indexinvestieren mögen, freuten sich über die Nachricht: Die Schweizer Börse SIX lancierte zusammen mit dem Start-up Amun vergangenen Monat das erste auf Kryptowährungen basierende Exchange Traded Product (ETP). Bisher sind Versuche, Krypto-ETF zu lancieren, in den USA am Widerstand der Börsenaufsicht SEC gescheitert.

Vergleichbar mit einem ETF, der jederzeit an der Börse gehandelt werden kann und der Indizes abbildet, zeichnet der ETP die wichtigsten Internetdevisen nach. Im Unterschied zu einem ETF ist das Krypto-ETP aber keine kollektive Anlage im Sinne des Schweizer Gesetzgebers und wird daher nicht von der Finanzaufsichtsbehörde Finma beaufsichtigt.

Aber weil die Schweiz in der Regulierung der Digitalisierung weiter ist als andere Länder und die generell hohe Rechtssicherheit für Investoren immer schon interessant gewesen ist, entschied sich Amun unter angeblich 28 Ländern und Gebieten für die Schweiz. Im Kurstableau figuriert das Kryptoprodukt unter dem Tickersymbol HODL.

Währungskorb mit Bitcoin-Dominanz

Investoren beteiligen sich gewissermassen an einem Währungskorb. Etwa die Hälfte dieses an der SIX gehandelten Produkts besteht aus der immer noch wichtigsten und kapitalisierungsstärksten Kryptowährung Bitcoin. Enthalten sind auch Ripple (XRP), Ethereum und Litecoin. Bei Indizes wird gerne davon gesprochen, dass man als Investor «den Markt kauft». Tatsächlich hält man mit dem Amun-Vehikel Kryptowährungen, die etwa 75 Prozent der Marktkapitalisierung ausmachen.

Ursprünglich bestand der Basket aus fünf Kryptowährungen. Kurz vor dem Start des ETP aber ereignete sich der "hard fork" der Kryptowährung Bitcoin Cash, woraus die beiden Kryptowährungen Bitcoin Cash ABC und und Bitcoin Cash SV entstanden. Diese erfüllten die Anforderungen für das ETP aber nicht, somit blieben vier Kryptowährungen.

Der "hard fork" bei Bitcoin Cash im November wird als einer der Gründe gesehen, weswegen der Kursverfall der Internetdevisen sich noch beschleunigt hat. Ein Forking, also ein Trennvorgang auf dem Datenspeichersystem Blockchain, ist nicht per se schlecht für Krytowährungen. Als sich Bitcoin Cash Mitte 2017 von Bitcoin abspaltete, stiegen danach beide Kryptowährungen im Kurs. Beim jetzigen Fork aber bestehen Unsicherheiten, die die Kurse belasten.

Deutlicher Kursrückgang

So willkommen die Schaffung eines Indexprodukts auf Kryptowährungen war – in einen fallenden Markt hinein ein solches Produkt zu lancieren, rief vor einem Monat auch Kritik hervor. Und Befürchtungen scheinen sich zu bewarhheiten: Innerhalb des knappen Monats seit der Lancierung des Finanzvehikels ist der Kurs schon um rund 28 Prozent zurückgegangen. Der Einbruch um über ein Viertel des Werts liegt natürlich daran, dass die grossen Kryptowährungen weiter unter Druck sind.

Der Bitcoin-Kurs in den vergangenen 12 Monaten - auffällig der starke Kursrückgang in November (ganz rechts) Grafik: cash.ch

Bitcoin ist innerhalb eines Monats um weitere 47 Prozent zurückgegangen. Fast genau ein Jahr nach dem Rekordstand bei 19'220 Dollar – und dem entsprechenden Hype – ist Bitcoin mit gut 3200 Dollar wieder in etwa so viel Wert wie Mitte 2017. Ripple fiel gar um 42 Prozent befindet sich mit einem Gegenwert von 0,286 Dollar weit entfernt vom Höchststand von 3,32 Dollar, der Anfang Jahr verzeichnet worden war. Ethereum setzt die Talfahrt ebenfalls fort und ist noch ein Dollar wert. Das Höchst im Januar war bei 1379 Dollar verzeichnet worden.

Kommt hinzu: Im Vergleich zu ETF, die wegen ihrer jährlichen Gebühren von circa 0,2 bis 0,4 Prozent des Fondsvermögens beliebt sind, ist das Kryptoprodukt an der SIX recht teuer: Die Managementgebühr beläuft sich auf 2,5 Prozent.