Die Aktien von Lindt & Sprüngli geben kurz nach Börsenstart rund 0,1 Prozent auf 94’200 Franken nach. Damit fallen sie auf ein Vierjahrestief, nachdem sie noch vor wenigen Wochen unweit des Rekordhochs von rund 134’000 Franken notiert hatten.

Die psychologisch wichtige Marke von 100’000 Franken wurde dabei mühelos durchbrochen - allein in den zwei Handelstagen am vergangenen Donnerstag und Montag verloren die Aktien rund 5 Prozent. Für einen sonst so defensiven Titel wie Lindt & Sprüngli sind solche kurz- und mittelfristigen Kursausschläge alles andere als typisch.

Zu den Gründen für die seit Ende Februar anhaltenden Kursverluste dürfte unter anderem der erneut stark gestiegene Kakaopreis sowie eine eingeschränkte Preissetzungsmacht des Branchenprimus zählen. Nachdem Lindt & Sprüngli in den vergangenen Jahren die Preise seiner Produkte deutlich angehoben hatte, sind sich viele Marktbeobachterinnen und -beobachter inzwischen einig, dass weitere Preiserhöhungen zur Verteidigung der Margen schwieriger durchzusetzen sein werden. Insbesondere die Preisanpassungen rund um das Ostergeschäft seien bei den Konsumentinnen und Konsumenten nicht gut angekommen. Für eine nachhaltige Belebung der Umsätze seien demnach tiefere Preise notwendig.

Hinzu kommt, dass der Kakaopreis erneut stark anzieht. Nach einem starken Rückgang von über 14’000 Dollar pro Tonne im März auf unter 3000 Dollar hat sich der Preis seit Monatsbeginn um fast 50 Prozent auf 4800 Dollar erholt. Während der letzten Hochpreisphase hatte Lindt & Sprüngli keine Probleme, die höheren Kosten an die Kunden weiterzugeben und so die Margen zu stabilisieren. Doch in der aktuellen Marktlage könnte dies deutlich schwieriger werden

Kurszielrevisionen und nötige Geduld

Vor diesem Hintergrund erscheinen auch die jüngsten Anpassungen bei Kurszielen und Einschätzungen nachvollziehbar. Seit der Veröffentlichung der Jahresergebnisse am 10. März haben Analystinnen und Analysten das Rating der Aktie ebenso häufig angehoben wie gesenkt. Bei den Kurszielen überwogen allerdings die Abwärtsrevisionen, viele davon bereits vor April, als der Grossteil der Kursverluste eintrat. Im Durchschnitt wird die Aktie derzeit mit «Halten» eingestuft, der Konsens beim Kursziel liegt bei etwas über 116’000 Franken.

Da der Schokoladenhersteller keine Quartalszahlen veröffentlicht, müssen sich Anlegerinnen und Anleger voraussichtlich bis Juli gedulden, bis neue Hinweise zur laufenden Geschäftsentwicklung vorliegen. Für erste mittelfristige, wenn auch begrenzte Impulse könnte hingegen das am 4. Mai gestartete Aktienrückkaufprogramm sorgen. Das Programm hat ein Volumen von bis zu 1 Milliarde Franken, kann längstens bis zum 30. April 2029 laufen und umfasst maximal 10 Prozent des Aktienkapitals.

Eine rasche Kurserholung gilt unter Marktteilnehmern zwar weiterhin als eher unwahrscheinlich. Die markanten Kursverluste, das neue Aktienrückkaufprogramm sowie ein mögliches Abflachen des Kakaopreiswachstums könnten jedoch zumindest die Chancen auf eine kurzfristige Stabilisierung der Aktie erhöhen.

Luca_Niederkofler
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