«Der in den vergangenen Generationen geschaffene enorme Reichtum floss ‌zumeist ⁠an Menschen, die bereits über Finanzvermögen besassen», heisst es in dem am Montag veröffentlichten jährlichen Schreiben ⁠an die Aktionäre. «Nun droht die KI, dieses Muster noch zu verstärken.» Seit der Einführung von ChatGPT im November 2022 ‌profitierten an der Wall Street von den durch KI befeuerten Kursgewinnen ‌vor allem die Unternehmen, die im Zentrum des ​Booms stehen.

Fink, der den weltgrössten Assetmanager mit einem Vermögen von rund 14 Billionen Dollar leitet, nutzt seine viel beachteten Briefe regelmässig, um die Bedeutung langfristiger Investitionen hervorzuheben. Obwohl zuletzt mehr Privatpersonen den Weg an die Märkte gefunden hätten, sei die Beteiligung immer noch bescheiden. Dies gelte insbesondere ‌für Aktien und andere traditionelle Anlageformen zum Aufbau von Wohlstand. «Die Geschichte lehrt, dass transformative Technologien einen enormen Wert schaffen.» Ein Grossteil dieses Wertes fliesse den Unternehmen zu, die sie entwickeln und einsetzen, sowie ​den Investoren, denen sie gehören.

Für Fink ist KI nicht mehr wegzudenken. Sie ​sei von zentraler Bedeutung für den strategischen Wettbewerb zwischen den ​USA und China. Nachhaltige Investitionen seien erforderlich, in Forschung, Infrastruktur, Fachkräfte und in die Kapitalmärkte. Investoren zeigten sich zuletzt ‌zunehmend besorgt, dass die schnell wachsende Verbreitung von KI etablierte Geschäftsmodelle gefährden könnte.

«Eines ist klar: KI wird einen erheblichen wirtschaftlichen Wert schaffen», betonte Fink. «Die Herausforderung und zugleich die Chance besteht darin, die Teilhabe ​an ​diesem Wachstum zu gewährleisten.» Trotz der anhaltenden Marktvolatilität ⁠forderte Fink die Kunden auf, investiert zu bleiben. In den ​vergangenen zwei Jahrzehnten habe sich ⁠jeder in den Index S&P 500 investierte Dollar mehr als verachtfacht.

Die Finanzmärkte wurden in den ‌vergangenen Wochen durch mehrere geopolitische und makroökonomische Schocks erschüttert, darunter den Iran-Krieg. «Wir leben in einer Zeit, in der Dinge, die ein Jahrzehnt geprägt hätten, zur Routine geworden ‌sind: Kriege mit globalen Auswirkungen, Billionen-Dollar-Unternehmen, eine grundlegende Neuordnung des internationalen Handels ​und das Aufkommen der bedeutendsten Technologie mindestens seit dem Computer», schrieb Fink. «Die Gefahr besteht darin, dass wir uns so sehr auf den Lärm konzentrieren, dass wir vergessen, was wirklich zählt.»