Boehringer Ingelheim hat mitgeteilt, dass Patienten, die sein experimentelles Medikament Survodutid gegen Fettleibigkeit erhielten, in einer gross angelegten Studie mehr als 16 Prozent ihres Körpergewichts verloren haben. Damit wurden Hoffnungen enttäuscht, dass das Medikament den Marktführer Zepbound von Eli Lilly übertreffen könnte.

Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht verloren nach 76 Wochen Behandlung mit Survodutid im Durchschnitt bis zu 16,6 Prozent ihres Körpergewichts. In der Placebo-Gruppe waren es 3,2 Prozent, wie Boehringer am Dienstag mitteilte. Wichtige Details stehen noch aus.

Die Ergebnisse basieren auf dem sogenannten Wirksamkeits-Estimand, einer Messgrösse, die davon ausgeht, dass alle Patienten das Medikament während der Studie eingenommen haben, auch wenn dies tatsächlich nicht der Fall war. Das Unternehmen kündigte an, die vollständigen Daten Anfang Juni auf einer Konferenz zu veröffentlichen.

Das nicht börsennotierte Unternehmen drängt in einen boomenden Markt für Adipositas-Therapien, der von Novo Nordisk und Eli Lilly dominiert wird. Auch andere Pharmakonzerne, darunter Roche, AstraZeneca und Pfizer arbeiten an Medikamenten gegen Adipositas. Boehringer führt zudem eine Studie durch, die Survodutid mit Semaglutid vergleicht, dem Wirkstoff in Novos Wegovy.

Survodutid, das 2011 vom dänischen Pharmaunternehmen Zealand Pharma lizenziert wurde, wirkt etwas anders als die derzeit verfügbaren Adipositas-Medikamente. Anders als Novos Wegovy imitiert es nicht nur das appetitregulierende Hormon GLP-1, sondern auch Glukagon, was der Leber zugutekommen könnte.

Ein ähnliches sogenanntes Dual-Agonisten-Medikament gegen Adipositas wird in China bereits von Innovent Biologics vertrieben, das die Verbindung von Lilly lizenziert hat. Doch laut Bloomberg Intelligence stützt sich Boehringers Survodutide viel stärker auf GLP-1 als das Medikament von Innovent.

Boehringer setzt darauf, dass Faktoren wie die Qualität und Dauerhaftigkeit des Gewichtsverlusts bei Erstattungsentscheidungen von Krankenkassen an Bedeutung gewinnen werden, sagte Vorstandschef Shashank Deshpande in einem Interview im März.

(Bloomberg)

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