Börse - Contrarian-Anleger machen mit inflationsgeschützten Anleihen Kasse

Rezessions- und Deflationsängste an den Märkten hatten im März inflationsgeschützte Anleihen äusserst billig werden lassen, was antizyklische Investoren wie Mark Nash auf den Plan rief.
11.07.2020 04:15
Contrarian Investors versuchen mit antizyklischem Investieren Geld zu verdienen.
Contrarian Investors versuchen mit antizyklischem Investieren Geld zu verdienen.
Bild: Pixabay

Jetzt profitieren er und andere so genannte Contrarian Investors von Rekordgewinnen bei diesen Papieren. Inflationsgebundene US-Anleihen (TIPS) verzeichneten im abgelaufenen Quartal gegenüber ihren traditionellen Pendants die grösste Outperformance seit mindestens 22 Jahren - trotz fehlender Teuerungsdynamik bei den Verbraucherpreisen.

Diese Entwicklung war hauptsächlich auf Anleger zurückzuführen, die Schutz vor Inflationsdruck suchen, der durch die Konjunkturprogramme und eine Rückkehr zu Wirtschaftswachstum entstehen könnte. Nash, Leiter Festverzinsliche bei Merian Global Investors, geht davon aus, dass der Markt weiter zulegen wird, wenn die Regierungen und Zentralbanken ihre Volkswirtschaften stützen und versuchen, eine Deflation zu vermeiden.

"Der Kauf von Inflationsschutz, der damals unglaublich billig war, hat sich als brilliante Idee erwiesen", sagte Nash, dessen Strategic Absolute Return Bond Fund in diesem Jahr bisher 95 Prozent der Vergleichsfonds mit einem Ertrag von fast 6 Prozent geschlagen hat.

Nash ist nicht der einzige, der auf sogenannte Linker gesetzt hat. So hat BlackRock kürzlich seine Allokation bei inflationsgebundenen Anleihen auf strategischer Basis erhöht und gleichzeitig den Anteil der nominalen Anleihen gesenkt. Der Vermögensverwalter argumentiert, dass Unterbrechungen der Lieferketten die Preise in die Höhe treiben könnten. Goldman Sachs setzt auf kurzfristige Linker. BNP Paribas Asset Management sieht ebenfalls mehr Spielraum für Gewinne bei Vermögenswerten, die von einer Beschleunigung der Inflation profitieren.

Inflationsschutz-Handelsgeschäfte haben sich ausgezahlt, weil das schlimmste Szenario einer Deflation abgewendet werden konnte. Eine beschleunigte Teuerung bei den Verbraucherpreisen gilt allerdings bei den meisten Experten derzeit als wenig wahrscheinlich. Inflation sei in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise kein Thema, sagten Mary Daly, Präsidentin der Federal Reserve Bank of San Francisco, und Thomas Barkin, Präsident der Richmond Fed, am Dienstag. Auch Elaine Stokes, Portfoliomanagerin bei Loomis Sayles & Co. sieht keine Anzeichen für ein Wiederanziehen der Inflation.

In früheren Perioden mit Konjunktur-Stimuli gab es Vorhersagen, dass die Inflation anziehen würde, die sich aber als falsch erwiesen. Wenn es wieder so kommt, würden Investoren in inflationsgeschützten Anleihen, deren Nominalwert um die Inflationsrate bereinigt wird, wohl Verluste erleiden.

(Bloomberg)

 
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Goldman Sachs Gr Rg212.13+0.51%
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