Börse - JP-Morgan-Stratege sieht Substanz-Aktien gegenüber Wachstums-Werten langfristig im Vorteil

Die Debatte Substanz- versus Wachstumsaktien ist eines der umstrittensten Themen an der Börse. JP Morgan sieht eine langfristige Verlagerung in Richtung Value.
13.04.2021 16:22
Blick auf einen Aktienchart.
Blick auf einen Aktienchart.
Bild: pixabay.com

Geht es nach Marko Kolanovic, Chefstratege von JPMorgan, haben die globalen Märkte einen kritischen Wendepunkt erreicht. Von nun an würden Substanz-Aktien ("Value") über einen längeren Zeitraum die Wachstumswerte übertreffen, so Kolanovic in einem Interview. Die Rotation in Substanzwerte, getrieben durch die Erholung von der Pandemie, der sinkenden Volatilität sowie von der Unterstützung der Fiskal- und Geldpolitik, werde noch einige Zeit anhalten. "Das könnte eine langfristige Verlagerung in Richtung zyklische Werte auslösen" sagt Kolanovic.

Die Debatte "Substanz- versus Wachstumsaktien" ist eines der umstrittensten Themen in der globalen Strategengemeinschaft. Dies insbesondere seitdem der "Reflation-Trade", der zu einer Erholung der Value-Werte geführt hatte, in letzter Zeit ins Stocken geraten ist. In früheren Marktphasen gab es einen ungewöhnlichen Zusammenhang zwischen der Suche nach sicheren Häfen wie Gold und Stay-at-Home-Aktien, gefolgt von Wetten auf Zykliker und einer steigenden Renditekurve. Diese mehr oder weniger vorhersehbare Ära scheint für Kolanovic nun vorbei zu sein.

JP Morgan: Optimismus für die Märkte 

Die steigenden Renditen auf Staatsanleihen haben das Comeback der Substanz-Werte begünstigt. "Die US-Renditen werden auch künftig kein Problem für Value sein, solange sie unter 2,50 Prozent im zehnjährigen Bereich verbleiben" sagt Kolanovic. Die zehnjägrigen US-Bonds stiegen waren bis Ende März auf 1,77 Prozent gestiegen, was den höchsten Stand seit Januar 2020 markierte. Seitdem sind sie aber wieder auf rund 1,70 Prozent zurückgegangen. 

Graphik: Bloomberg

Doch JP Morgan setzt sich nicht nur bei der Bevorzugung von Value-Aktien von anderen Banken ab. Sie gehört auch zu den optimistischsten Geldhäusern an der Wall Street, was die allgemeine Entwicklung der Aktienmärkte angeht. Die Bank hat ein Jahresendziel für den breiten US-Index S&P 500 von 4400 Punkte ausgegeben. Die Median-Vorhersage liegt laut einer Umfrage von Bloomberg bei 4100 Punkten. Der Index schloss am Montag bei 4127,99 Punkten. 

"Die Fundamentaldaten verbessern sich, und wir haben Fiskal-Stimuli sowie eine unterstützende Geldpolitik. Zudem wird jetzt wird der nach und nach sinkender Volatilitätsindex (VIX) zusätzlich helfen", sagte Kolanovic.

Pessimistische Stimmen bei anderen Wall-Street-Banken 

Am Markt gibt jedoch auch pessimistische Stimmen, die es ganz anders sehen. Bank of America (BofA) und Citigroup prognostizieren beide, dass der S&P 500 bis Ende Dezember auf 3800 Punkte zurückfallen wird. BofA-Strategen, angeführt von Savita Subramanian, warnten in einer Notiz in diesem Monat vor "schlecht ausfallenden Erträgen", während ein Citi-Team unter der Leitung von Tobias Levkovich negative Aspekte wie hohe Bewertungen ins Feld führen. Zudem gebe es die Gefahr, das die Federal Reserve Ende Jahr versucht sein wird, die geldpolitischen Stimuli zurückzufahren, so die Citi-Bank. 

Mit Blick auf die Zukunft glaubt JP-Morgan-Stratege Kolanovic, dass sich das Momentum an den globalen Aktienmärkten gegen Ende des Jahres vom USA-Markt weg zu relativen Nachzügler-Märkten bewegen könnte.

"Da die USA in der Pandemie-Bekämpfung derzeit vorne liegen, ist die Wirtschaft derzeit auch stärker. Doch in der zweiten Jahreshälfte könnte es zu einem Comeback in Europa, Japan sowie in den Schwellenländer geben", sagte er.

(Bloomberg/cash)