Börse Schweiz - Kommt jetzt das Comeback der zyklischen Aktien?

In dieser Woche legen am Schweizer Aktienmarkt die Zykliker wieder zu, während defensive Aktien wie Nestlé oder Novartis an Boden verlieren. cash hat Experten gefragt, ob dieser Trend anhalten wird.
11.09.2019 23:10
Von Pascal Züger
Der Zementhersteller LafargeHolcim ist ein typischer Zykliker.
Der Zementhersteller LafargeHolcim ist ein typischer Zykliker.
Bild: ZVG

Lange führte am Schweizer Aktienmarkt an defensiven Titeln kein Weg vorbei. Der Nahrungsmittelriese Nestlé ist mit plus 36 Prozent seit Jahresbeginn die beste Aktie überhaupt am Swiss Market Index (SMI). Gefolgt von Lonza (+35 Prozent), Swiss Life (+32 Prozent) und Zurich (+29 Prozent). Allesamt Aktien, die als defensiv und somit wenig konjunktursensitiv einzustufen sind. 

Doch seit dieser Woche ist so etwas wie eine Wende zu beobachten: Defensive Werte verlieren an Boden, während Zykliker und Bankaktien deutlich zulegen. UBS und Credit Suisse haben in den letzten fünf Handelstagen je 12 Prozent gewonnen, bei ABB sind es 8 Prozent.

Hat nun eine anhaltende Trendwende, weg von defensiven Titeln und hin zu konjunkturabhängigen Zyklikern, stattgefunden? "Das kann noch nicht abschliessend beurteilt werden", sagt Remo Rosenau, Leiter Research bei der Helvetischen Bank, auf cash-Anfrage. Es mache jedoch durchaus Sinn, Zykliker wieder anzuschauen, da es am Schweizer Markt seit Oktober 2018 eine starke Outperformance von grosskapitalisierten, defensiven Werten gab.

Zykliker mit Aufholpotenzial

Gemäss Rosenau wurden gewisse Aktien, etwa LafargeHolcim oder ABB, von den Anlegern in dieser Phase praktisch komplett ignoriert und haben nun wieder "vernünftige" Bewertungsniveaus erreicht. Wenn die Weltwirtschaft 2020 nicht in eine Rezession laufe, besitzen seiner Meinung nach solche Zykliker durchaus wieder Aufholpotenzial.

LafargeHolcim, der weltweit grösste Zementkonzern, hat an der Börse seit Mitte Mai fast 10 Prozent eingebüsst. Und dies, obwohl die Halbjahreszahlen ansprechend waren und sich die Neuausrichtung weg vom Zement, hin zu wenig kapitalintensiven Bereichen wie etwa Zuschlagstoffen mittelfristig auszahlen könnte. Mit 4,1 Prozent ist nach der Korrektur auch die Dividendenrendite wieder attraktiv.

Beim Industriekonzern ABB erhoffen sich Anleger einen Schub durch den Chefwechsel. Ab März 2020 wird Björn Rosengren das CEO-Amt übernehmen. ABB hat an der Börse in den letzten 52 Wochen 13 Prozent eingebüsst. Die meisten Analysten bleiben derzeit jedoch skeptisch, die Kursziele liegen zwischen 19,20 bis 22 Franken, aktuell kostet die Aktie 20 Franken.

Börse als Vorlaufindikator

Auch Thomas Steinemann, Anlagechef der Privatbank Bellerive, ortet nun Einstiegsmöglichkeiten bei gewissen Zyklikern. Im Gespräch mit cash nennt er als interessante Titel ebenfalls LafargeHolcim, aber auch den Spezialitätenchemiekonzern Sika, dessen Aktie seit Anfang Juli rund 12 Prozent einbüsste.

Zur allgemeinen Marktstimmung sagt Steinemann: "Der jüngste Anstieg der Zykliker könnte ein Zeichen sein, dass das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr wieder anziehen wird." Die Börse sei ein guter Vorlaufindikator. "Noch sind die Wirtschaftsnachrichten schlecht, aber grundsätzlich ist dies ein guter Moment, um einen Einstieg bei Zyklikern zu planen", so Steinemann.

Anders sieht dies sein Berufskollege Eric Steinhauser von Rahn & Bodmer. Für ihn ist es noch zu früh, strukturell auf zyklische Titel zu setzen. Unternehmen seien mit Investitionen weiterhin zurückhaltend, zudem seien noch keine stabilisierenden Tendenzen in der Konjunktur erkennbar. "Die Firmengewinne könnten sich im dritten und vierten Quartal weiter reduzieren, was gegen Zykliker spricht", so der Anlagechef.

Wie geht es weiter mit der Konjunktur?

Steinhauser setzt nach wie vor auf Titel mit hohen Dividendenrenditen und stabilen Cashflows, also auf klassische defensive Werte wie Nestlé, Novartis und Roche. Die Privatbank Rahn & Bodmer ist im Allgemeinen bei Aktien derzeit leicht untergewichtet, da man die anstehenden Zinsentscheide der Notenbanken sowie die weitere Entwicklung der Konjunktur abwarten wolle.

Verschiedene Konjunkturdaten haben jüngst auf eine weitere Abschwächung hingedeutet. Das Prognoseinstitut BAK Economics hat vergangene Woche die Prognose für das Wirtschaftswachstum in der Schweiz im laufenden Jahr deutlich von 1,2 auf 0,7 Prozent reduziert. Derweil verliert auch die deutsche Wirtschaft wegen politischen Risiken wie dem Brexit und Handelskonflikten rasant an Schwung, Ökonomen sehen das Land an der Schwelle zur Rezession.

Ob es sich bei der guten Performance der zyklischen Aktien nun tatsächlich um eine Trendwende handelt, oder ob es nur ein kurzes Strohfeuer war, ist noch unklar. Es zeigt aber auf: Am Markt gibt es durchaus Hoffnungen, dass die Eintrübung der Wirtschaft bald ein Ende finden könnte und es schon ab 2020 wieder aufwärts gehen wird.

 

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