Hölder meint

Börsenentwicklung - Diese Erholungsrally an den Börsen geht zu schnell

Die Aktienmärkte haben den Corona-Schock in den letzten Wochen gut verdaut - zu gut angesichts der miserablen Wirtschaftsaussichten. Bald wird wieder Ernüchterung eintreten.
20.04.2020 11:13
Von Henning Hölder, Redaktor cash
Henning Hölder, Redaktor cash.
Henning Hölder, Redaktor cash.
Bild: ZVG

Wer sich den Verlauf der Aktienmärkte in den letzten vier Wochen anschaut, kann durchaus stutzig werden. Coronavirus? War da mal was? Seit Mitte März konnte der Swiss Market Index (SMI) rund 18 Prozent zulegen, der Dow Jones gar um 28 Prozent.

Sinkende Neuinfektionsraten beim Coronavirus sorgen für eine Aufholrally. Auch die Ankündigung des Bundesrats und anderer Regierungen, die Massnahmen zur Beschränkung der Wirtschaftsleistung und des öfffentlichen Lebens zu lockern, sorgen für Erleichterung. Dazu kommen die beispiellosen Wirtschaftshilfspakete weltweit.

Mich beschleicht bei dieser Aufholrallye an den Börsen ein mulmiges Gefühl. Vielleicht sollte man sich jetzt eines in Erinnerung rufen: Ein Bärenmarkt an den Aktienmärkten, in den wir nach Ausbruch der Coronakrise innert kurzer Zeit eingetreten waren, dauert im Schnitt etwa 14 Monate. Eine Bodenbildung zeigt sich meist dadurch, dass Marktteilnehmer nach einer längeren Phase dahindümpelnder Kurse die Lust an der Börse verlieren und die Flinte ins Korn werfen. Das Gegenteil ist derzeit der Fall.

Die massive Gegenbewegung der letzten Wochen birgt somit ein enormes Enttäuschungspotenzial. Denn die Erholung an den Börsen steht derzeit in keinem Verhältnis zu den teils dramatisch anmutenden Wirtschaftsprognosen weltweit. Der Internationale Währungsfonds (IMF) rechnet 2020 mit einem Rückgang der globalen Konjunktur um drei Prozent, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich glaubt sogar an ein Minus von vier Prozent. Zum Vergleich: 2009, nach der Finanzkrise, schrumpfte die globale Wirtschaftsleistung um rund zwei Prozent.

Wir sollten nicht vergessen: Uns steht die Zahlensaison des zweiten Quartals, welche verheerend ausfallen dürfte, erst noch bevor. Ausserdem müssen wir mit einer stattlichen Zahl von Firmenkonkursen rechnen. Vor vier Wochen hätte man noch argumentieren können, das alles sei in den Kursen eingepreist. Doch jetzt wird die Fallhöhe von Tag zu Tag grösser. 

Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Nämlich für all diejenigen, die damit hadern, die tiefen Kurse im März nicht zum Einstieg genutzt zu haben: Es werden neue Gelegenheiten kommen.

 
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