Das Barometer für die Aussichten in den kommenden sechs Monaten fiel um 1,3 Punkte auf 58,3 Zähler, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 176 Investoren und Analysten mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Anstieg auf 65,0 Punkte gerechnet.
«Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Phase fragiler Erholung», kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach die Ergebnisse der Umfrage. «Die strukturellen Herausforderungen, insbesondere in der Industrie und bei den Privatinvestitionen, bleiben erheblich.» Die anstehenden Reformen der Sozialversicherungssysteme sollten dazu genutzt werden, die Standortattraktivität wesentlich zu steigern.
Die aktuelle Lage schätzten die Börsianer deutlich positiver ein: Dieses Barometer stieg um 6,8 Punkte, blieb aber mit minus 65,9 Zählern im negativen Bereich. «Alles in allem stehen die Signale auf eine vorsichtige Konjunkturerholung», sagte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger.
Zuletzt hatten harte Konjunkturdaten eine Belebung in der Industrie signalisiert. So wuchsen die Warenexporte im Dezember so stark wie seit vier Jahren nicht mehr. Zudem legten die Industrieaufträge zuletzt nicht nur den vierten Monat in Folge zu, sondern zugleich so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr.
In der deutschen Wirtschaft hat sich die Stimmung ein Stück weit aufgehellt. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hob ihre Konjunkturprognosen deswegen für dieses Jahr an - auf ein Wachstum von 1,0 Prozent von bisher 0,7 Prozent. Wie der Verband auf Basis einer Umfrage bei rund 26.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen mitteilte, sind auch die Exportaussichten verbessert.
Die ersten Reaktionen der Ökonomen:
Ulrich Wortberg, Helaba:
«Keine weitere Stimmungsaufhellung: Im Februar ist der ZEW-Saldo der Konjunkturerwartungen entgegen den Erwartungen leicht gesunken, die Konsensschätzung wurde klar unterschritten. Dies überrascht, nachdem das ähnlich konzipierte sentix-Investorenvertrauen deutlich angestiegen war. Zwar hat sich der ZEW-Saldo der Lageeinschätzungen verbessert, die Erholung der konjunkturellen Entwicklung scheint aber holprig zu verlaufen. In diesem Zusammenhang sind die Einkaufsmanagerindizes an diesem Freitag und das ifo Geschäftsklima Deutschland kommenden Montag zu beachten.»
Alexander Krüger, Chefökonom Hauck Aufhäuser Lampe:
«Die Erwartungen verbleiben im Höhenflug. Sie dürften vor allem von den sich füllenden Auftragsbüchern in der Industrie profitieren. Konjunkturhoffnungen werden wegen der geplanten staatlichen Mehrausgaben bestehen bleiben. Wichtig ist, dass diese nun auch zu einer besseren Einschätzung der aktuellen Lage führen. Diese ist nämlich weiter verbesserungswürdig. Erwartungen allein machen noch keine Konjunktur, auf die Übersetzung in die Produktion kommt es an. Das Ringen mit Standortnachteilen bleibt Unternehmen trotz Fiskalpaket erhalten. Alles in allem stehen die Signale auf eine vorsichtige Konjunkturerholung.»
(Reuters)

