Insidern zufolge könnten die USA und der Iran am Sonntag eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges am Golf unterzeichnen. Analysten zeigen sich jedoch skeptisch. «Die Hoffnung auf ein mögliches Rahmenabkommen sorgt zwar für etwas Rückenwind, sollte jedoch nicht überbewertet werden», warnt Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. Zu oft seien Anleger in den vergangenen Monaten durch widersprüchliche Signale und ausbleibende Fortschritte wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden.
Mindestens 37 Mal hat US-Präsident Donald Trump laut Experten und Medienberichten seit Ende März ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran in Aussicht gestellt. Am Freitag folgte demnach die 38. Ankündigung. «Jedoch haben die Anleger mit Blick auf den Ölpreis offensichtlich noch nicht kapituliert, auch wenn die Wochenbilanz an den Kapitalmärkten eine gewisse Resignation versprüht», schreiben die Experten der Helaba. Der Dax schloss am Freitag rund 0,7 Prozent über dem Vorwochenschluss, beim SMI betrug der Zuwachs 3,2 Prozent.
Fed und BOE im Fokus
Ebenso interessant sei die Frage, wie lange der Hype rund um den Börsengang von SpaceX am heutigen Freitag die Schlagzeilen beherrscht, fügte Emden-Research-Experte Emden hinzu. «Börsianer neigen dazu, rasch vom aktuellen Publikumsliebling zum nächsten Hoffnungsträger weiterzuziehen.» Zugleich bestehe die Gefahr, dass die Begeisterung für Wachstumsfantasien in der Technologiebranche den Blick auf ungelöste Risiken verstellt - etwa im Bereich der Geldpolitik. Nach einem Anstieg bis auf 176,52 Dollar bedeutete der Schlusskurs von SpaceX von 160,95 Dollar immer noch einen Kursgewinn von gut 19 Prozent, was die Bewertung auf knapp 2,1 Billionen Dollar nach oben schraubte.
Im Fokus in der neuen Woche stehen daher die Zinsentscheide der US-Notenbank Fed und der Bank of England am Mittwoch und Donnerstag. Experten und Händler gehen zwar mehrheitlich davon aus, dass die Währungshüter die Zinsen unverändert belassen. Zugleich erhoffen sie sich aus den Aussagen der Notenbanker Hinweise auf den künftigen geldpolitischen Kurs. Mit Spannung warten Börsianer vor allem auf Äusserungen des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh, der als Befürworter niedrigerer Zinsen gilt. «Tiefgreifende Änderungen dürften kurzfristig aber kaum durchsetzbar sein», schreiben die Commerzbank-Experten mit Blick auf die wegen des Iran-Kriegs angestiegene Inflation und den starken US-Arbeitsmarkt. Viele Analysten erwarten, dass der Fed-Ausschuss in seinem Statement vom bisherigen Lockerungskurs abrückt.
Verschnaufpause im Tech-Sektor voraus
Die Erwartung höher bleibender Zinsen wichtiger Notenbanken dürfte die jüngste Rally im Technologiesektor vorerst stoppen. «Die höheren Kapitalkosten belasten vor allem wachstumsorientierte KI-Unternehmen, die im Zuge des Ausbaus ihrer Infrastruktur erhebliche Investitionen tätigen», sagt Weberbank-Experte Martin Zurek. Zusätzlich könnte die Vielzahl geplanter Börsengänge und Kapitalerhöhungen, vor allem aus ebendiesem Sektor, dem Markt Kapital entziehen. «Langfristig sehen wir hier weiterhin Potenzial und betrachten mögliche Rücksetzer als attraktive Einstiegsgelegenheiten.» Hintergrund sei die anhaltend hohe Nachfrage nach KI-Diensten und die starken Finanzergebnisse der Anbieter.
Die neue Konjunkturdatenwoche eröffnen am Montag die Zahlen zur Industrieproduktion und zum Aussenhandel in der Euro-Zone im April. Am Nachmittag folgen die Daten zur Produktion in der US-Industrie im Mai. Am Dienstag legt das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die Umfrage zur Konjunktureinschätzung der Investoren im Juni vor. Zur Wochenmitte blicken Anleger auf die endgültigen Zahlen zur Inflationsentwicklung im Euroraum sowie die US-Einzelhandelsumsätze im Mai. Laut den Commerzbank-Experten dürften sie zeigen, dass die US-Verbraucher trotz des starken Benzinpreisanstiegs ihren Konsum nicht deutlich eingeschränkt haben. Am Donnerstag werden unter anderem die wöchentlichen Zahlen zu den Erstanträgen auf US-Arbeitslosenhilfe veröffentlicht. Zum Wochenschluss stehen die deutschen Erzeugerpreise für den vergangenen Monat an. In der Schweiz stehen keine Ergebnispublikationen in der nächsten Woche an.
(Reuters/cash)

