Der britische Notenbankchef Andrew Bailey ruft zum Widerstand gegen populistische Politiker auf. Diese erschwerten globalen Organisationen, auf Risiken in der Weltwirtschaft hinzuweisen, sagte der Gouverneur der Bank of England einem am Freitag veröffentlichten Redemanuskript zufolge. «Für uns als Vertreter von Institutionen lautet die Antwort, dass wir dagegenhalten müssen, und zwar mehr mit Taten als nur mit Worten.» Internationale Organisationen müssten sagen können, «was wir nicht hören wollen».
Bailey nannte in seiner Rede keine Politiker oder Länder. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte jedoch im vergangenen Jahr die umfangreichen Steuersenkungen von US-Präsident Donald Trump kritisiert. US-Finanzminister Scott Bessent warf dem Fonds daraufhin vor, sich von seinen Kernaufgaben zu entfernen, etwa indem er sich mit den Auswirkungen des Klimawandels befasse. Bailey zufolge wird versucht, das Vertrauen in Organisationen zu untergraben, um sie als «distanziert, unempfänglich und im Interesse mächtiger und unkontrollierbarer Interessen handelnd» erscheinen zu lassen.
Bailey äusserte sich bereits am Dienstag bei einem nicht-öffentlichen Treffen der Bellagio-Gruppe, einem Zirkel von Ökonomen, Zentralbankern und Finanzvertretern. Das Manuskript wurde aber erst jetzt veröffentlicht. Demnach warb Bailey auch für einen offenen Welthandel.
Er hatte sich zuvor mit dem ins Visier der US-Justiz geratenen Notenbankchef Jerome Powell solidarisch erklärt. «Die Unabhängigkeit der Zentralbanken ist ein Eckpfeiler der Preis-, Finanz- und Wirtschaftsstabilität im Interesse der Bürger, denen wir dienen», heisst es in einer gemeinsamen Erklärung von Bailey, der Präsidentin der Europäischen Zentralbank sowie weiterer Institutionen. Das US-Justizministerium droht Powell mit einer Anklage. Anlass sind dessen Aussagen vor dem US-Kongress zu den auf rund 2,5 Milliarden Dollar gestiegenen Renovierungskosten am Sitz der Zentralbank in Washington. Powell wies die Vorwürfe zurück. Er sieht darin einen Vorwand, um Einfluss auf die Zinspolitik zu nehmen.
(Reuters)

