Buffett, Icahn & Co.  - Corona-Krise und Aktien-Crash: Das empfehlen jetzt Börsen-Gurus

In der Not hilft es, auf die ganz grossen Profis zu schauen: Die berühmten Börsen-Gurus. cash zeigt, wie Warren Buffett und Co. mit der Krise umgehen – und was sie Anlegern empfehlen.
25.03.2020 20:30
Von Manuel Boeck und Henning Hölder
Warren Buffett, CEO Berkshire Hathaway und Milliardär.
Warren Buffett, CEO Berkshire Hathaway und Milliardär.
Bild: Bloomberg

Anleger haben es derzeit wahrlich nicht leicht. Seit Mitte Februar stürzen die Börsen infolge der Corona-Krise weltweit ab. Ein Boden ist trotz einzelner Rebound-Bewegungen noch nicht gefunden. Vielmehr ist die Börse derzeit eine regelrechte Achterbahnfahrt. Doch nicht nur Aktienwerte leiden.

Auch der Ölpreise krachte wegen des Preiskriegs zwischen Saudi-Arabien und Russland in Keller und selbst Gold – die Mutter aller sicheren Häfen – liess auf Sicherheit bedachte Anleger zuletzt im Stich.

Wie soll man sich als Anleger in solchen Phasen verhalten? Eine Möglichkeit ist, sich anzuschauen, was Börsen-Gurus in diesen Tagen tun. cash hat recherchiert, wie die berühmten Investorenlegenden die Krise einschätzen und was sie Anlegern raten.

Mark Mobius – Tech-Titel und Gold

Mark Mobius, bekannt als "Altmeister der asiatischen Aktie" und Mitgründer von Mobius Capital Partners, sieht auch in der Corona-Krise vielversprechende Investments. So empfiehlt er die Aktien vom IT-Konzern Alibaba zum Kauf. Der chinesische Onlinegigant ist an der New Yorker Börse gelistet und baut seine globale Präsenz laufend aus.

Ein Einstieg könnte laut Mobius bald interessant werden, da der japanische Telekommunikations- und Medienkonzern Softbank Aktien im Wert von 14 Milliarden Dollar verkaufen will. Der Preis für die Aktie könne dadurch attraktiver werden, wie Mobius diese Woche gegenüber Bloomberg TV sagte.

Mobius antizipiert zudem eine kommende Goldstärke. Die jüngsten Verkäufe im Gleichschritt mit Aktien und Öl seien ein Zeichen von Panik. Jetzt sei der Zeitpunkt für Anleger, Gold zu halten oder sogar die Goldbestände zu erhöhen, so Mobius.

Ray Dalio – Wette gegen Europa

Ray Dalio wurde von der Corona-Krise auf dem falschen Fuss erwischt. Dies gab der Gründer des weltweit grössten Hedgefonds Bridgewater Associates kürzlich auch zu. Sein Vorzeigefonds Alpha verlor seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent. Skurril ist, dass Ray Dalio Ende Januar die Konsequenzen der Corona-Krise eigentlich vorhersah.

Damals warnte er vor einer "Flucht in den Qualitätsmarkt" – genau das ist eingetreten. Sein Fehler: Er beschränkte seinen Befund auf Asien. Dass die Krise auch Europa und die USA voll erfassen würde, sah er nicht kommen.

Mittlerweile warnt Dalio inständig vor den Auswirkungen des Coronvirus. So glaubt er, dass die Politiker die wahren Auswirkungen herunterspielten, um eine Panik zu vermeiden. Demensprechend hat der Hedgefondskönig nun auch reagiert. Er geht mit 14 Milliarden Dollar Leerverkaufspositionen in Europa-Aktien ein. Das geht aus von Bloomberg ausgewerteten Mitteilungen zwischen dem 9. und 12. März hervor.

Dalio setzt darauf, dass die Aktienkurse europäischer Unternehmen angesichts der Corona-Pandemie weiter sinken werden. Unter anderem wettet er eine Milliarde Dollar gegen das deutsche Softwareunternehmen SAP sowie 715 Millionen gegen den Halbleiterausrüstungshersteller ASML.

Warren Buffett – viel Cash zum ausgeben

Warren Buffett gibt sich in der Corona-Krise gegen aussen ganz cool. Die Investorenlegende sieht die Krise als Möglichkeit, "attraktive Schnäppchen" zu ergattern. Buffetts Credo, für gute Firmen einen günstigen Preis zu bezahlen, lässt sich derzeit natürlich besser umsetzen als noch vor sechs Wochen. An finanziellen Mitteln fehlt es Buffett jedenfalls nicht. Seine Gruppe Berkshire Hathaway verfügt derzeit über finanzielle Mittel in Rekordhöhe von 128 Milliarden Dollar.

Buffett gehört eindeutig nicht in die Kategorie Weltuntergangspropheten. So glaubt er zwar auch, dass die Pandemie den Fortschritt in den USA und weltweit unterbrechen könnte. "Doch den Fortschritt des Landes oder der Welt wird es nicht aufhalten können", so Buffett einem Interview mit Yahoo von letzter Woche. Laut der Anlageberatungsfirma The Motley Fool setzt Buffett in der Corona-Krise auf diese drei Aktien: Apple, Bank of America und Southwest Airlines.

Carl Icahn – Zerfall der US-Immobilienpreise?

Der Grossinvestor und Milliardär wird gern auch als Corporate Raider – auf deutsch: Heuschrecke – bezeichnet. Momentan wettet Carl Icahn hingegen auf den Zerfall der US-Immobilienpreise im kommerziellen Bereich. Insgesamt fünf Milliarden Dollar setzt er darauf, dass grosse Einkaufszentren wegen ihrer Schulden Konkurs gehen.

Der Coronavirus-Ausverkauf an den Aktienmärkten hat einige Aktien sehr günstig gemacht. Im CNBC-Interview vom 14. März verrät der Starinvestor, wo er im Ausverkauf schon zugelangt hat: Nämlich beim Erdöl- und Erdgaskonzern Occidental Petroleum, beim Autovermieter Hertz und beim PC- und Druckerhersteller HP.

Jim Rogers – Fokus auf Asien

Für die Investorenlegende Jim Rogers ist klar, dass die Folgen der Corona-Krise noch nicht ausgestanden sind. Für die Realwirtschaft sei hauptsächlich die panische Reaktion der Menschen auf das Virus das Problem, sagte er in einem Interview mit der Finanzplattform Kitco News vom 9. März. Rogers vermutet, dass die Corona-Krise eine Rezession hervorrufen wird.

In einem Bärenmarkt gehe nun einmal alles nach unten, inklusive Gold, so Rogers. Trotzdem sei jetzt der Zeitpunkt gekommen, um in Gold oder Silber einzusteigen. Bei Aktien sieht Rogers vor allem in Asien Potenzial. Momentan seien vor allem asiatische Fluggesellschaften interessant. Denn: Diese seien brutal in Mitleidenschaft gezogen worden und besässen nun grosses Aufholpotenzial, so Rogers.

David F. Swenson – Antizyklischer Käufer

Swensen ist berühmt dafür, das Vermögen der Yale University um mehr als 16 Milliarden Dollar vermehrt zu haben. Seine regelmässig überdurchschnittlich hohe jährliche Kapitalrendite zieht die Aufmerksamkeit zahlreicher Wall-Street-Manager auf sich. Sein Ratschlag: Wenn jemand dem menschlichen Impuls, in der Krise zu handeln, nachgeben will, dann sollte er das Portfolio neu gewichten: "Verkaufen, was gewinnt, kaufen, was verliert. Dieses Konzept ist sehr machtvoll."

Das sagte er dem amerikanischen Hörfunksender npr am 11. März. Dafür gab er ein einfaches Beispiel: Wenn die Aktien im Wert fallen und die Staatsanleihen zulegen, dann sollte man laut Swenson Staatsanleihen verkaufen und Aktien zukaufen. Er rät also zum klassischen antizyklischen Investieren.