Nach dem derzeitigen Stand der Dinge sei es denkbar, dass sich die mittelfristigen Inflationsaussichten verschlechterten und die Inflationserwartungen nachhaltig steigen könnten, sagte das EZB-Ratsmitglied in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Bloomberg. Dies würde bedeuten, dass ein restriktiverer geldpolitischer Kurs wahrscheinlich notwendig wäre, sagte Nagel. Er fügte hinzu, dass «zuverlässigere Daten hierzu voraussichtlich bereits bei der nächsten Sitzung des EZB-Rats in sechs Wochen vorliegen werden».
Reuters hatte bereits von Insidern erfahren, dass im Zuge heraufziehender Inflationsgefahr infolge des Nahost-Krieges im EZB-Rat eine baldige Zinserhöhung ins Auge gefasst wird. Falls sich die Lage nicht bald entspanne, müsse das Thema auf der Sitzung Ende April auf den Tisch, hiess es.
Der EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde beliess den Leitzins am Donnerstag bei 2,0 Prozent. Zugleich zeigten sich die Währungshüter wegen des Ölpreisschocks alarmiert: Durch höhere Energiepreise werde sich der Nahost-Krieg auf kurze Frist «erheblich» auf die Inflation auswirken, warnte die Notenbank.
Die mittelfristigen Auswirkungen würden auch von der Intensität und der Dauer des Konflikts abhängen. «Der EZB-Rat ist gut gerüstet, um diese Unsicherheit zu bewältigen», hiess es weiter. Die EZB-Fachleute veranschlagen in ihrer Projektion für den Euroraum in einem Basisszenario eine Gesamtinflation von durchschnittlich 2,6 Prozent für 2026, 2,0 Prozent für 2027 und 2,1 Prozent für 2028.
Der Stichtag für die Prognose war der 11. März. Den Insidern zufolge ist dieses Szenario angesichts der jüngsten Entwicklungen praktisch schon Makulatur. Infolge des Iran-Krieges ist zuletzt zunehmend auch die Energieinfrastruktur am Golf in die Schusslinie geraten, was die Preise für Öl und Gas weiter antreibt. Damit entsteht absehbar mehr Preisdruck.
(Reuters)

