Anlegerinnen und Anleger greifen bei den Aktien von Rieter zu: Die Titel steigen am Mittwoch um 2,2 Prozent auf 2,56 Franken.

Die Belebung des Aktienkurses folgt auf die Ankündigung, dass Thomas Oetterli seine Posten als CEO und Verwaltungsratspräsident (VRP) per Ende Oktober verlassen wird. In die Rolle des Geschäftsleiters schlüpft ab November Daniel Lippuner, der bereits Führungserfahrung und Kenntnisse der Textilmaschinenindustrie vorweisen kann. Derweil übernimmt Carl Illi, der seit 2017 Mitglied des Verwaltungsrats ist, das Präsidium des obersten strategischen Führungs- und Aufsichtsgremiums von Rieter. Illi wird das VRP-Amt vorerst bis zur Generalversammlung vom 14. April 2027 ausüben.

In der Mitteilung, die Rieter am Mittwochmorgen veröffentlicht hat, dankt der Verwaltungsrat Thomas Oetterli für «sein grosses Engagement und seine wichtigen Beiträge zur strategischen und operativen Weiterentwicklung von Rieter». Man sei überzeugt, dass die eingeleiteten Massnahmen die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns stärken und eine solide Grundlage schaffen, um von einer künftigen Markterholung zu profitieren. Mitunter fallen die Übernahme des Chemiefaserspezialisten Barmag sowie Restrukturierungen unter das Wirken Oetterlis.

Weniger rosig als die Führungsverantwortlichen bei Rieter blickt Walter Bamert, zuständiger Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), auf die Sachlage. Die Pressemitteilung beurteile die Amtszeit des scheidenden CEO positiv, aber der Aktienkurs tue dies nicht.

Die Titel von Rieter sind denn auch nur noch ein Schatten ihrer selbst. Das Allzeithoch bei über 60 Franken wurde zum Jahreswechsel 2006/2007 erreicht, und auch in der jüngeren Vergangenheit gab es tiefe Einschnitte – so etwa Mitte September infolge einer Herabstufung von «Neutral» auf «Sell» durch die UBS. Die zuständige Analystin senkte auch das Kursziel, und zwar auf 2 von 3,1 Franken. Die Aktie gab daraufhin in zwei Handelstagen um 23 Prozent nach.

Die nun bekannt gewordene Rochade an der Konzernspitze erfolgt ohne Guidance-Anpassung und Trading-Update. Das wertet ZKB-Analyst Bamert als positiv. Seiner Ansicht nach ist für höhere Aktienkurse zyklischer Rückenwind erforderlich. «Derzeit ist dieser nur flau spürbar und die Einmaleffekte belasten. Zusätzliche Aufträge mit Kundenanzahlungen wären nötig, um das Schuldenniveau nachhaltig zu senken», so der Experte.

Reto Zanettin
Reto ZanettinMehr erfahren