«Ein grösseres oder kleineres Rezessionsrisiko könnte nur einen Tweet entfernt sein», scherzte Solomon in einem Interview im Paley Mediencenter in New York und erntete damit Lacher. Gleichzeitig betonte er, dass die aktuellen Rezessionsprognosen weiterhin relativ niedrig seien. «Jeder, der das Interview gesehen hat, weiss, dass David offensichtlich einen Witz gemacht hat», erklärte Tony Fratto, Sprecher von Goldman Sachs, am Telefon.
Solomons Aussage spiegelt eine breitere Realität an den Finanzmärkten wider, die stark auf die Social-Media-Posts von US-Präsident Donald Trump reagieren – insbesondere auf seinem Truth-Social-Kanal. Erst letzte Woche hatte Trump behauptet, der Iran habe zugesagt, die Strasse von Hormus nie zu schliessen – eine Aussage, die vom Iran nicht bestätigt wurde, aber dennoch die Börsen nach oben und die Ölpreise nach unten trieb.
Solomons Äusserungen kommen weniger als ein Jahr, nachdem er selbst Ziel von Trumps Kritik auf Truth Social wurde. Damals hatte Goldman in einer Prognose vorhergesagt, dass US-Konsumenten einen Grossteil der wirtschaftlichen Folgen von Trumps Zöllen tragen müssten.
«Ich denke, David sollte sich einen neuen Ökonomen suchen – oder sich vielleicht lieber auf seine DJ-Karriere konzentrieren und nicht versuchen, eine grosse Finanzinstitution zu leiten», schrieb Trump damals in seinem Post.
Aktuell schätzen Goldman-Ökonomen die Rezessionswahrscheinlichkeit für dieses Jahr auf etwa 30 Prozent ein – gegenüber den 15 Prozent, die Solomon als Basis-Szenario in einem «ruhigen Umfeld» nannte.
Der CEO hielt es für realistisch, dass die Ölpreise in den nächsten drei bis sechs Monaten zwischen 80 und 100 US-Dollar pro Barrel bleiben könnten. Gleichzeitig warnte er, dass eine schwere Eskalation die Preise auf bis zu 170 US-Dollar treiben könnte.
Seit Kriegsbeginn sind die Öl-Futures um etwa 30 Prozent gestiegen und erreichten im März fast 120 US-Dollar pro Barrel. Aktuell notieren sie bei rund 95 US-Dollar, nachdem es Anzeichen für Gespräche zwischen dem Iran und den USA gibt, um den Konflikt zu beenden.
Solomon betonte zudem, dass anhaltend hohe Energiepreise voraussichtlich die Wirtschaftsdaten im späteren Jahresverlauf belasten werden. «Wenn sich diese unsichere Lage noch drei bis sechs Monate hinzieht, wird man die Auswirkungen auf die Wirtschaft spüren», sagte Solomon mit Blick auf die Folgen des Iran-Kriegs auf die Ölpreise.
«Das bedeutet nicht zwangsläufig eine schwere Rezession oder ein chaotisches Wirtschaftsumfeld, aber es wird das Wachstum bremsen, Reibungsverluste verursachen und die Menschen in den USA treffen.»
Im Gespräch mit Kelly O’Grady, Co-Moderatorin von CBS Saturday Morning, relativierte Solomon Bedenken hinsichtlich der Probleme im Privatkreditsektor. Die Kreditvergabe an risikoreiche Schuldne mache nur einen sehr kleinen Teil des gesamten Kreditmarkts aus. «Es ist nicht gross genug, um systemische Risiken direkt auszulösen», so Solomon.
(Bloomberg/cash)
