Die deutsche Wirtschaft hat drei schwierige Jahre hinter sich. Zunächst schrumpfte sie 2023 und 2024, während es 2025 nur zu einem Mini-Plus von 0,2 Prozent reichte. Für das laufende Jahr rechnen die meisten Experten mit einem Wachstum von etwa einem Prozent, befeuert vor allem durch die staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Aufrüstung sowie von der höheren Zahl an Arbeitstagen. Das sind die Chancen und Risiken für die deutsche Wirtschaft 2026:
Chancen
Industrie: Sie hat Tritt gefasst. Ihre Aufträge wuchsen zuletzt drei Monate in Folge. Im November fiel das Plus mit 5,6 Prozent zum Vormonat sogar so gross aus wie seit über einem Jahr nicht mehr. «Die Talsohle dürfte durchschritten sein», sagt deshalb Ökonom Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research. Treiber sind vor allem Bestellungen aus dem Rüstungsbereich, der von entsprechenden Investitionen der Bundesregierung profitiert. Sie dürften auch in diesem Jahr die Industrie beflügeln. Deren Produktion könnte deshalb erstmals wieder steigen und zum Wirtschaftswachstum beitragen, nachdem das Verarbeitende Gewerbe 2025 das dritte Jahr in Folge weniger erwirtschaftete.
Konsum: Negative Nachrichten vom Arbeitsmarkt sorgten 2025 dafür, dass viele Verbraucher wegen der gestiegenen Angst vor einem Jobverlust ihr Geld zusammenhielten. «Kräftig steigende Löhne und ein sich nach und nach verbessernder Arbeitsmarkt stützen die realen Einkommen und damit den privaten Konsum», erwartet die Bundesbank nun für das neue Jahr. Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) rechnet mit einem Anstieg der Bruttolöhne und -gehälter um 4,3 Prozent. Bei einer erwarteten Inflationsrate von zwei Prozent dürfte die Kaufkraft damit steigen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet zudem, dass die Zahl der Beschäftigten steigen und die der Arbeitslosen sinken wird.
Exporte: Von dem durch US-Präsident Donald Trump verursachten Zollschock dürfte sich die Exportwirtschaft nach und nach erholen. Dieser und die wachsende Konkurrenz aus China liessen die deutschen Ausfuhren 2025 bereits das dritte Jahr in Folge schrumpfen. Nun deutet sich eine Trendwende an: Das IfW rechnet mit einem Wachstum der Exporte von 0,9 Prozent im laufenden Jahr, nachdem sie 2025 noch um 0,3 Prozent geschrumpft waren - nicht zuletzt wegen der Zölle von 15 Prozent, die für die meisten deutschen Waren bei Lieferungen zum wichtigsten Kunden USA fällig werden.
Risiken
Geopolitik: Ob Ukraine-Krieg, Venezuela, Iran oder Taiwan - an vielen Ecken der Welt brennt es oder droht ein neuer Konflikt. Spitzt sich die geopolitische Lage zu, könnte eine schwächere Auslandsnachfrage nach deutschen Waren die Folge sein. «Abwärtsrisiken gehen von den zahlreichen geopolitischen Konflikten aus», warnt daher das Münchner Ifo-Institut. «Russland dehnt seine hybride Kriegsführung auf europäische Nato-Länder aus – mit unabsehbaren militärischen und ökonomischen Folgen.»
Handelskonflikte: Auch wirtschaftspolitische Unsicherheit kann durchschlagen, etwa durch die Zollpolitik der USA. «Hier besteht nach wie vor Potenzial für eine neuerliche Eskalation von Handelskonflikten», betont das Ifo-Institut. Schon jetzt sei der durchschnittliche Zollsatz in der weltgrössten Volkswirtschaft so hoch wie zuletzt in den 1940er-Jahren. Das trifft Deutschland besonders hart, gehen doch die meisten Exporte in die Vereinigten Staaten. Erst vor wenigen Tagen drohte Trump einen Strafzoll von 25 Prozent für diejenigen Länder an, die Handel mit dem Iran treiben.
China: Lange Zeit haben die deutschen Unternehmen sehr gute Geschäfte mit der Volksrepublik gemacht. Die besten Zeiten sind allerdings vorbei: 2025 sind die Exporte nach China einer Schätzung der bundeseigenen Fördergesellschaft Germany Trade And Invest (GTAI) zufolge um zehn Prozent auf 81 Milliarden Euro eingebrochen. Erstmals seit 2010 findet sich die Volksrepublik damit nicht mehr unter den fünf wichtigsten deutschen Absatzmärkten wieder. Eine Trendwende erwartet der Exportverband BGA nicht. «Die chinesische Industriepolitik setzt konsequent auf Importsubstitution und den Aufbau eigener nationaler Champions», sagt BGA-Präsident Dirk Jandura. Gleichzeitig verlören deutsche Schlüsselindustrien wie Automobil, Maschinenbau und Chemie Marktanteile an chinesische Wettbewerber.
(Reuters)

