Charttechnik - Verpasst der Goldpreis den Rekordstand vom Spätsommer 2011?

In Dollar betrachtet ist der Preis für eine Gold-Unze seit Jahresbeginn um 15 Prozent gestiegen. Ein bekannter Charttechniker sieht das Edelmetall allerdings nicht zum Rekordhoch von 2011 aufschliessen.
22.06.2020 08:21
Von Lorenz Burkhalter
Gold gilt als die älteste Währung der Welt.
Gold gilt als die älteste Währung der Welt.
Bild: imago images / blickwinkel

Gold hat wieder Auftrieb. In Dollar betrachtet trennen den Preis für eine Unze weniger als zwei Prozent von den diesjährigen Höchstständen bei 1765 Dollar. Seit Jahresbeginn errechnet sich ein ansehnliches Plus von fast 15 Prozent.

Angesichts des ultralockeren geldpolitischen Kurses vieler Notenbanken scheint selbst ein Vorstoss zum Rekordhoch vom Spätsommer 2011 bei 1920 Dollar nicht ausgeschlossen.

Unter 1660 Dollar wird es kritisch

Zumindest der für Kepler Cheuvreux tätige Markttechniker sieht die Gold-Unze allerdings knapp an diesem Rekordstand vorbeischrammen. Abgestützt auf den Achtjahreszyklus rechnet er bis Ende September zwar mit einem Vorstoss in die Region von 1750 bis 1800 Dollar. Dort sieht der Experte den nunmehr seit zwei Jahren zu beobachtenden Anstieg dann aber auslaufen.

Entwicklung des Preises für eine Unze Gold seit 2011 (Quelle: www.cash.ch)

In eine heisse Phase geht das Edelmetall über, sollte der Preis für eine Unze unter die charttechnisch wichtige Unterstützungsmarke bei 1660 Dollar zurückfallen. In diesem Fall rechnet der Markttechniker gar mit einem Rücksetzer in die Region von 1540 bis 1565 Dollar. Dort verläuft auch der gleitende 200-Tage-Durchschnitt.

Alle drei Experten in guter Gesellschaft

Ähnlich sehen es die beiden Berufskollegen bei Julius Bär. Wie sie in ihrer einmal wöchentlich erscheinenden Publikation "Technical Investment Strategy" durchblicken lassen, gehen auch sie davon aus, dass der Goldpreis seinen vorläufigen Höhepunkt bald erreicht. Einen etwas stärkeren Widerstand machen die beiden Autoren in der Region von 1800 Dollar aus.

Die Experten von Kepler Cheuvreux und Julius Bär stehen mit dieser Meinung nicht alleine da. Nur wenige ihrer Berufskollegen rechnen aufgrund der charttechnischen Gegebenheiten noch einmal mit einem deutlich höheren Goldpreis.