Die Genfer Kantonalbank (BCGE) ist bei Deutschschweizer Investoren noch wenig bekannt - das will CEO Nicolas Krügel ändern. Ziel sei es, verstärkt Privatanleger anzusprechen und die Aktie attraktiver zu machen, sagte Krügel in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft».
Die BCGE-Aktie hatte im vergangenen Jahr leicht verloren, während andere Banktitel zulegen konnten. Dafür gebe es «mehrere Gründe», so Krügel. «Der erste ist das Zinsumfeld. Der zweite dürfte die eher tiefe Pay-out Ratio von 27 Prozent sein.» Zudem habe wahrscheinlich auch der Ergebniseinbruch im ersten Halbjahr einen Einfluss auf den Kurs gehabt.
«Aktionäre wünschen höhere Pay-out-Ratio»
Die Aktie notiere derzeit bei rund 0,7-mal Buchwert. «Ich glaube, die Aktionäre wünschen sich eine höhere Pay-out Ratio», sagte der CEO. Sollte diese steigen, «dürfte sich der Kurs Richtung Buchwert entwickeln». Die Bank habe ihre Kapitalbasis in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestärkt, was nur dank einer tiefen Ausschüttungsquote möglich gewesen sei.
Mit dem Aktiensplit im Verhältnis eins zu zehn habe die BCGE zudem die Liquidität der Titel etwas verbessert - die Aktie sei «günstiger und damit leichter zu handeln». Die Zahl der Privataktionäre sei «von 15'000 auf 15'400» gestiegen.
Risiken und Kapitalvorschriften
Mit Blick auf Risiken sieht Krügel die Bank gut aufgestellt. Der Immobilienmarkt in Genf sei «heute gesünder und robuster», der Leerstand liege bei «0,34 Prozent». Preisexzesse wie in früheren Phasen seien aktuell nicht zu beobachten: «Diese Übertreibung sehen wir im Moment überhaupt nicht.»
Zur Diskussion um strengere Kapitalvorschriften sagte Krügel, das Thema betreffe auch BCGE. Sollten entsprechende Regeln ausgeweitet werden, wäre die Bank «überkapitalisiert und weniger wettbewerbsfähig».
Mit Blick auf die bevorstehenden Jahresergebnisse 2025 erklärte Krügel, der Gewinnrückgang im ersten Halbjahr sei vor allem auf fehlende Sondererträge zurückzuführen. So habe es im Private-Equity-Geschäft keinen grösseren Verkauf gegeben, während im M&A-Bereich aufgrund des geopolitischen Umfelds grössere Transaktionen ausgeblieben seien.
(AWP)

